Erinnerungen Post

Die Post in der DDR war eine wichtige Einrichtung. In vielen Haushalten fehlte ein eigener Telefonanschluss. Die Post bot nicht nur die Möglichkeit, Briefe, Telegramme und Pakete zu versenden, in jedem Postamt gab es mehrere Telefonkabinen. Wollte man einen Anruf tätigen, stellte man sich in die Reihe der Wartenden. Hinter einem Schalter, der mit einer Trennscheibe zu dem öffentlichen Raum versehen war, saßen die Postangestellten. Eine Öffnung in der Scheibe, die verschliesbar war, ermöglichte den Kontakt. War man endlich an der Reihe, konnte man seinen Wunsch äußern. Also einen Brief aufgeben oder Briefmarken kaufen. Für 20 Pfennige ging der Brief dann auf die Reise. Bis zu seiner Ankunft beim Adressanten vergingen in der Regel einige Tage. Wollte man seine Nachricht schneller versenden, schickte man den Brief per Eilpost. Der Umschlag bekam dann einen roten Streifen aufgeklebt, kostete einiges mehr und war dafür am nächsten Tag am Zielort. Meinem Mann habe ich in seiner Armeezeit und während des Studiums unzählige solcher Briefe geschrieben, er ebenso an mich. Postkarten gingen für 5 Pfennige auf die Reise. Für ganz eilige Nachrichten gab es das Telegramm. In einer großen Mappe lagen Muster zum Aussuchen bereit. Für ein Glückwunschtelegramm zur Hochzeit oder zum Geburtstag. Wenige Zeilen konnte man schreiben, die dann innerhalb von Stunden am gewünschten Ort eintrafen. Das Telegramm wurde von Postboten schnell direkt ins Haus gebracht. An Preise erinnere ich mich hier nicht mehr, diese Variante nutzten wir nur, wenn sich ein vereinbarter Termin absolut nicht einhalten ließ. Hatten nun alle Kunden in der Schlange vor einem ihre Wünsche erfüllt bekommen, was durchaus dauerte, konnte man seinen Anruf anmelden. Die Schalterfrau notierte die Telefonnummer, wählte sie und leitete den Anruf in eine der Kabinen weiter, so sie frei war. Klingelte es in der zugewiesenen Kabine, konnte man endlich sein Telefonat führen. Die Zeit dabei nicht zu überziehen, mahnte ein Aufkleber mit der Aufschrift…fasse dich kurz… Nach erledigtem Anruf, ging man zurück zum Schalter und bezahlte die Gebühr. Ortsvorwahlen in der DDR waren nicht zentral geregelt, je nachdem von welchem Ort aus man anrief, änderte sich die Vorwahl der betreffenden Stadt. Ein Wirrwarr von Nummern also, denen nur mit Hilfe eines örtlichen Telefonbuchs beizukommen war. Die Postgebäude selbst waren meist große, architektonisch schöne Häuser, die in vielen Orten eine zentrale Lage hatten, gern in Bahnhofsnähe. Das Foto oben zeigt das Postamt meiner Heimatstadt. Vor den Postämtern stand in der Regel eine gelbe Telefonzelle mit Münzeinwurf. Mit 20 oder 50 Pfennigen konnte man dort Orts- und ortsnahe Telefongespräche führen. War das Geld verbraucht, konnte man Münzen nachwerfen. 

Heute ist es kaum vorstellbar, dass es nicht selbstverständlich war, Termine über Telefon zu vereinbaren oder zu verändern. Verabredungen wurden langfristig geplant, abgesprochen und eingehalten. Wer wie ich, über längere Zeit von seinem Partner getrennt war, hatte nicht die Möglichkeit des täglichen Gedankenaustausches per Handyanruf oder schneller Kurznachricht per SMS. Da alle anderen auch so lebten, war das kein Verlust. In Briefen teilten wir uns mit, was in der Zwischenzeit geschah und natürlich wie groß unsere Vorfreude auf das nächste Wiedersehen ist. Ein wenig trauere ich dieser Langsamkeit und der Verbindlichkeit getroffener Verabredungen von damals nach.

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10 Antworten zu “Erinnerungen Post

  1. die jeweilige Ortsvorwahl bei Ferngesprächen aus dem jeweiligen lokalen Telefonbuch heraussuchen, weil sie nicht einheitlich waren. ☺
    irre !

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  2. Köstlich! zu Beginn ,meiner Lehrzeit 1958, war der ersten Unterricht : wie telefoniert man. Auch meine Eltern und die meines Mannes besassen kein Telefon, wir schrieben uns Briefe, obwohl wir bei derselben Bank arbeiteten, aber in unterschiedlicher Abteilungen eingesetzt waren .Diese Telefonkabinen kannten wir auch hier. Was ist das alles lange her, unseren Enkeln wird das alles steinzeitlich vorkommen, wenn wir Ihnen davon erzählen.
    Wir hatten einen Autisten als Arbeitskollegen, der das ganze Frankfurter Telefonbuch mit Namen und Nummern im Kopf hatte. Meine Tochter hatte zum Spielen auch eine Kinderpost mit diesen Utensilien und den hauchdünnen Luftpostbriefen. Alles Relikte aus einer vergangenen Zeit.

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  3. Über die beiden in dem Video habe ich Tränen gelacht: „Mein Loch ist noch geschlossen“ und wie er stempelt wie ein Bekloppter. Einfach köstlich diese Erinnerung.
    Mit lieben Grüßen von Clara

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  4. Danke für diese und auch all die anderen Erinnerungen, die du bei mir immer wieder weckst. 🙂

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  5. Ein bisschen anders war es hier schon, aber dann eben doch nicht. Ich erinnere mich noch gut an die Telefonzellen im Postamt und später in den Strassen, an den Münzeinwurf und die wunderbar dicke ratternde Wählscheibe. Bis wir daheim ein eigenes Telefon hatten war ich schon fast 12 Jahre alt.
    Aber die Briefe gingen dann doch ein bisschen flotter, trotzdem gab es Eilpost und auch Telegramme, die waren aber immer etwas sehr besonderes und brachten meistens schwere Nachrichten …
    Ich vermisse nicht nur die bunten Briefe, Postkarten kommen ja noch ab und an und auch manchmal noch Handgeschriebenes, ich vermisse diesen ruhigeren Gang, der Luft liess, heute raubt das Leben vielen den Atem …

    ein schöner Beitrag, den ich sehr gerne gelesen habe, danke Arabella und herzliche Abendgrüsse
    Ulli

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