Erinnert ihr euch – Die Traumspinnerin-Teil 2

Arabella’s Märchen – für meine Schaukelinhaberin

Die Traumspinnerin – Teil 2

Seit Jahr und Tag mied der unruhige, die Welt ziellos durchstreifende Jagende den Schlaf.
Keine Ruhepause erquickte ihn, kein Traum berührte seine erstarrte Seele. Die ruhige Rast meidend, die ihm Entspannung hätte bringen können, strebte er einzig danach, sich in jedem Moment als Herrscher über alles zu setzen. Dabei blickte er nicht nach der Seite, sah nicht zurück, einzig dem Vorankommen galt sein gesamtes Streben. Taub geworden für das Leid anderer erklang sein kämpferisches Vorangeschrei, blind für die Schönheit die ihn umgab, strebte er der alles überblendenden Macht der Alleinherrschaft entgegen.
Stark durch Siege, die nur ihn selbst bereicherten, bannte er sich den Weg durch die Dunkelheit des Waldes, ohne sie überhaupt wahrzunehmen, wie er schon seit langem nichts mehr wahr nahm. Nicht Schmerz, nicht Liebe…einzig die Gier alles zu verschlingen war seine Triebkraft.
Näherte er sich einem Lebewesen, verstummte dieses in der trügerischen Hoffnung, dadurch nicht von ihm bemerkt zu werden.
Umsonst.
Obwohl er selbst nichts spürte, machte die eisige Kälte die ihn umgab, jedes Leben zunichte. Der Vogel der in seiner Spur nach Futter suchte, fiel tot – erfroren – neben den schwarz gewordenen Halmen nieder und eisige, tödliche Stille machte sich breit, wo immer er auch war.
So führte sein ungleicher Kampf ihn weiter des Weges und ohne sich dessen bewusst zu sein, betrat er das Reich der Traumspinnerin.
Ihre Nebelfäden verzögerten sein Vorankommen, um sich stechend, vernichtete er die zarte Verbindung der Fee zu den Menschen.
Ohnmächtig dem Eindringling gegenüberstehend, verwirrte sie sich in den regentropfenschweren Träumen, die sie zur Besänftigung der Bosheit der Menschen gefertigt hatte, wurde von ihnen gefangen genommen und versank in einem Meer aus Hass.
Die sanftmütige Stille der Wiese wandelte sich, wurde laut, zerriss die letzten Fäden der Sanftträume und den Menschen, die ihrer guten Träume beraubt wurden, ging die Einsicht verloren und mit ihr gemeinsam die Güte.
Selbstnutz breitete sich aus unter ihnen.
Den Schlaf und die Erholung meidend, strebten die Menschen selbstsüchtig nur noch nach der Vermehrung ihrer Güter. Die Freude des Schaffens, das Licht des Teilens, die Liebe des Gebens blieben zurück im Land der Träume.
Der einsame Jagende war weiter einsam, aber nicht mehr allein in einer Welt der von Raffgier ergriffenen Menschen.
Der Traumspinnerin, gefangen in den zerrissenen Nebelfäden liegend, waren die Hände gebunden und damit ihr Kontakt zur Welt der Menschen zerstört, die ohne ihre eingreifende milde Güte – reißenden Wölfen gleich – übereinander herfielen, sich dabei selbst vernichtend.

Zu Teil 1:

https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/09/10/die-traumspinnerin/

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s