Monatsarchiv: Juli 2016

Das Lied zum Tag

Always Look on the Bright Side of Life 

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Erinnerungen – die Küche meiner Großeltern

Eine weiß lackierte Holztür ist Eingang zur Küche meiner Großeltern. Die Wände hat mein Großvater selbst gebaut. Er ist gelernter Maler. Mit einer Walze hat er bunte Muster auf die gekalkten Wände gemalt. Ich frage meine Großmutter, was der Großvater arbeitet. Er ist Maler sagt sie. Für mich Kind malen Maler Bilder, meine Großmutter erklärt mir den Unterschied nicht. Sie ist stolz auf ihren Mann. Meine Großmutter kenne ich kaum anders als in mit Blumen bedruckten Kittelschürzen.

In der Küche stehen helle Holzmöbel. Eine Anrichte mit Glasscheiben. Kleine Stoffgardienen hängen, innen angebracht, in ihnen. Oben das Kaffeegeschirr, unten in den fensterlosen Schränken das Essgeschirr. Auf der linken Seite hat mein Großvater seine geliebten Süßigkeiten gelagert, rechts hat meine Großmutter immer etwas Geld liegen. Oft wenn ich sie besuche, bekomme ich etwas davon zugesteckt. Neben der Anrichte steht ein flaches Schränkchen. Es ist der Abwaschtisch. Unten in seinen Seitenflügeln befinden sich die Töpfe und Pfannen. Auf der großen Arbeitsplatte bereitet meine Großmutter das Essen zu. Herrliche Sachen, nie muss ich aufessen, wenn ich es nicht will. Tue es aber doch, weil es nur Gerichte gibt, die ich mag. Gleich unter der Platte befinden sich zwei Griffe, ziehe ich an ihnen, dreht sich ein Einsatz heraus, in dem zwei Schüsseln Platz finden. In ihnen wird das Geschirr gespült. Das heiße Wasser dazu wird nicht mehr auf dem Herd erhitzt, ein Boiler hängt dafür an der gegenüber liegenden Wand. Die Kacheln dahinter sind mit Abziehbildern beklebt. Meine Schwester hat nach ihrer Geburt im Haus gelebt. Für sie haben die Großeltern die Bildchen in Wasser eingeweicht, solange bis sie sich vom Papier lösten und auf einen anderen Untergrund aufgeklebt werden konnten. So wohl ich mich bei den Großeltern fühlte, immer war für mich spürbar, dass ich nicht das im Haus aufgewachsene Enkelkind bin.

Neben der Tür steht der viereckige Esstisch. Sitze ich an ihm, kann ich durch das Fenster in den Garten schauen. An der Wand steht eine kleine Eckbank. Grün sind ihre Poster, auf sie kann ich mich, klein wie ich bin, legen. Schlafen, ausruhen, träumen. Niemals allein bin ich dort. Ein guter Ort. Noch heute ist genau diese Stelle im Haus mein Lieblingsplatz. Größer ist das Fenster in den Garten geworden, größer auch meine Sofabank davor. Ich selbst werde an dieser Stelle wieder klein.

An der Wand die den Schornstein führt, dort wo heute mein Kamin steht, war ein Gasherd mit Beistellofen. Immer war er gut geheizt. Wie sollte das Haus sonst warm werden? Die eingeheizte Energie wurde nicht verschwendet. Ein Dampfkessel hatte stets heißes Wasser parat. Am äußeren Rand der Platte stand oft ein kleines Töpfchen. Meine Großmutter kochte darin mein Lieblingsessen. Ein kleines Stück Rindfleisch kochte sie in Sauerkraut so lange, bis es weich von selbst auseinandefiel. Geselchtes nannte sie dieses Gericht, das ich liebte und das ich bekam, wenn dem Großvater seine geliebten Buttermichgetzen gebacken wurde. Schmeckt wie im Gasthaus sagte er nach jedem Essen und meinte das als Kompliment an die Kochkunst seiner Frau. Der Speck der in den Getzen war, war mir ein Schrecken. Heute zählen sie zu meinen Lieblingsgerichten. Die Pfanne in der meine Großmutter es zubereitete besitze ich noch. Allein, der Gärtnergatte mag dieses Essen nicht. Irgendwann wird er demnächst dran glauben müssen.

Irgendwann kauften meine Großeltern einen kleine, elektrische Backform. In ihr buk meine Großmutter Windbeutel. Sie schnitt die duftigen Gebilde auf und fühlte sie mit frisch geschlagener Sahne. Ein himmlischer Schmaus, der im Juni durch frische Erdbeeren aus dem Garten vollkommen wurde.

Überhaupt, was die Großmutter täglich alles für gute Sachen kochte. Nudelsuppe mit selbstgemachten Nudeln. Als ich noch ganz klein war, kam sogar das Huhn dafür aus dem eigenem Garten. Die Großmutter sehe ich noch, es auf einem blauen Tuch mit weißen Punkten liegend, unter dem Apfelbaum sitzend, das Huhn rupfend. Vorher hatte sie ihm den Kopf abgehauen. Der Großvatter konnte so etwas nicht. Die Suppe ass er gern.

Manchmal gab es Wickelklöße. Dazu wurden zwei Mehlsorten mit Kartoffeln und Ei vermischt, der Teig dann dünn ausgerollt und mit zerlassener Butter bestrichen, mit Semmelbröseln bestreut und zu einer Rolle geformt. Von dieser wurden dünne Scheiben geschnitten, die Ränder platt gedrückt und mit Eigelb bepinselt. Dann kamen die Teigstücke in kochendes Salzwasser. Dazu der Sonntagsbraten meiner Großmutter und Sauerkraut, frisches natürlich, keine Konserve, in der die wichtigen Milchsäurebakterien fehlen.

Bratkartoffeln gab es oft, grüne Klitscher und Klöße und Eierkuchen mit selbst gemachten Apfelmus. Fast meine gesamten Ferien habe ich bei den Großeltern verbracht und kaum ein Essen gab es zweifach in dieser Zeit. Nach dem Essen ging der Großvater in die Stube, legte sich in seinen Schaukelstuhl und hielt ein Nickerchen. Dann hatte ich die Großmutter für mich allein und war glücklich dabei.

Die schönsten Stunden meiner Kinderjahre habe ich in der Küche meiner Großeltern verbracht. Am Küchentisch durfte ich malen, mit selbstgekochtem Knochenleim ( der nie richtig hielt ) kleben, immer fanden meine Großelten Zeit für mich. Die Erinnerung an diese guten Jahre hat mir in Zeiten die nicht leicht waren, immer weiter geholfen. Nirgendwo habe ich mich so sicher und behütet gefühlt wie an diesem Ort.

Ob ein Radio in der Küche stand? Ich erinnere mich nicht mehr. An die Küchenlieder meiner Großmutter dagegen schon.

Das Letzte vom Tag

Groß waren sie schon immer.

Als hätten sie von vorn herein gewusst, was ich ihnen abverlangen würde…meinen Händen.
Früher schlank, zart, langfingrig. Im Winter elfenbeinweiß, im Sommer südländisch braun. Gelegentlich mit ebensolchem Temperament.
„Zu anderen Zeiten hätten sie Gipsabdrücke von deinen Händen gemacht“, sagte mein Mann immer, wenn er sie liebevoll bewundernd betrachtete.
Manches Übel an geschwollenen, schlecht riechenden Gliedmaßen alter und junger Menschen habe ich damit gelindert. Ohne Handschuhe zum Abschluss der Behandlung über die angrenzende, gesunde Haut fahrend, immer ein liebevolles Lächen dafür zurück bekommend, das tief eindringt. Aus dem Wesen anderer in das meine. Mit einem Blick.
So leicht kann Liebe sein.
Manches Glas habe ich mit ihnen gehalten, manche Zigarette in ihnen gehabt. Mich ihrer bedient, Kontakt gesucht und gefunden. Ein interessiertes Schauen aufgenommen, nicht ins Innere gelassen, flüchtig benutzt und weggeworfen wie die aufgerauchte Zigarette.
So kalt, so egoistisch, so oberflächlich kann Liebe sein.
Manches Mal ließen sie mich im Stich.
Wollten, konnten nicht ausführen, was der Kopf ihnen vorschrieb. Ließen Briefe unbeendet, Bilder ungemalt.
Fühlten sich ungeschickt, nutzlos, überflüssig.
So vernichtend kann Liebe sein.
Mit den Jahren wurden sie härter, nicht von der Haut her…härter im geben…sparsamer im empfangen wollen.
Sammelten Erfahrungen, lernten dem Kopf zu gehorchen, der selber klug genug geworden war, nur das einzufordern, was im Bereich des Möglichen lag und liegt.
Fanden ihr geben, wurden offen, ohne auszubluten.
So unendlich kann Liebe sein.

Das Schöne vom Tag

Mein Weg zur Zufriedenheit…

Das Lied zum Tag

In the Ghetto

Gefüllte Weinblätter

Meine Schaukelinhaberin kommt. Also gibt es ihr Lieblingsessen – Frikadellen – die in Sachsen Beefsteak heißen. Bei uns sind es Beefi’s. Dazu gibt es das Lieblingsgemüse meiner Kleinen – Erbsen.

Mein Gärtnergatte verschneidet den Wein, damit die Trauben mehr Sonne bekommen.

Die abgeschnittenen Weinblätter kommen mir wie gerufen.

Die beste Zeit sie zu Küchenzwecken zu nutzen, liegt zwischen April und Juni. Jetzt, im Juli, ist immer noch eine Ernte möglich, die Blätter sind nur ein wenig fester. Weinblätter sind enorm gesund. Sie sind nahrhaft, jedoch kalorien- und fettarm. Ihr hoher Eiweißgehalt und die reichlichen Ballaststoffe machen sie zu einem wertvollen Lebensmittel, wenn da nicht die Pestizide wären. Diese sind für mich unbedenklich, da in meinem eigenen Wein nicht vorhanden. Weinblätter sind voller Flavonoide, diese natürlichen Pflanzenstoffe schützen den Körper vor freien Radikalen und haben eine posisitive Wirkung auf den Blutdruck, den Blutfettspiegel und das Immunsystem.

Mal sehen ob ich sie meiner Schaukelinhaberin schmackhaft machen kann, indem ich ihr Lieblingsessen darin einwickle. Sollte das nicht der Fall sein, habe ich vorsorglich einige uneingewickelte Beefi’s für sie. 

Mein lieber Gärtnergatte sucht mir die schönsten Blätter aus. Diese blanchiere ich für 3 – 5 Minuten in kochendem Salzwasser ( im Juli, wenn die Blätter fester sind, besser 5 Minuten ). Danach werden sie in eiskaltem Wasser abgeschreckt und zum Trocknen auf ein sauberes Küchentuch gelegt.

Weinblätter sind wunderbar stabil und lassen sich hervorragend füllen. Die griechische Küche ist voll von köstlichen Rezepten.

Wie Beefi‘ s hergestellt werden, brauche ich wohl nicht ausführlich zu erklären. Ich nehme Biohackfleisch, halb Schwein/halb Rind, 1 altbackenes Brötchen, 1 Eigelb und Salz und Pfeffer. Auf Zusätze von Zwiebeln, Knoblauch und Senf verzichte ich der Schaukelinhaberin zu Liebe.

Aus der fertigen Masse forme ich kleine Kugeln für die Beefi’s und Würstchen für die Weinblattfüllung.

Das Einrollen geht leicht, die noch feuchten Blätter schmiegen sich um die Füllung, die Ecken schlage ich um, ein Feststecken ist nicht notwendig, alles hält gut. 

Um mehr Zeit für die Schaukelinhaberin zu haben, bereite ich alles am Vortag zu und stelle die gefüllte Platte kühl.

Das Braten ist eine kurzweilige Sache. Am Vormittag waren wir mit der Kleinen im Wald, als wir zurückkommen sind Kartoffeln und Erbsen vorbereitet und gemeinsam braten wir die gefüllten Weinblätter und die kleinen Beefikugeln. Letztere werden besonders knusprig, wenn sie vorher in geriebenem Semmelmehl gewendet werden.

In Butterschmalz brät es sich am Besten, bald riecht es verlockend gut nach Mittagessen in unserer Küche.

Die Schaukelinhaberin mag heute kein Fleisch essen – tja – Versuch nicht gelungen…macht nichts, uns schmecken die Weinblattbeefi’s.

Das Letzte vom Tag

Zitat: FAZ

…Und eine Gesellschaft, die sich für die Abschaffung des sozialen Elends erst dann interessiert, wenn es sich in spektakulärer Brutalität entlädt, ist sowieso schon verloren. …

https://www.google.de/amp/m.faz.net/aktuell/feuilleton/attentat-von-muenchen-stimmen-im-kopf-14354416.amp.html?client=ms-android-om-lge#

Kein Sonntagsmärchen

Foto: Netzfrauen

Bewaffneter Friede

Ganz unverhofft auf einem Hügel sind sich begegnet Fuchs und Igel.

Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät
Geh her und übergib dein Fell.
 
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Laß dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weiter sprechen!
 
Und allsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.

Wilhelm Busch

Das Lied zum Tag

Bitten der Kinder

Stell dir vor