Teil 2 Einfach(es) Leben

Colditz…

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…liegt an der Zwickauer Mulde.

Die Stadt selbst ist klein, besticht durch ihre Lage im Leipziger Umland ( ein Reisetipp – Leipzig und seine Umgebung sind fabelhaftes Ausflugsziel, Leipzig umgibt sich seit einigen Jahren mit viel Wasser. Alte Baggerkraterlandschaften verwandeln sich zur Zeit in Seenlandschaft. ) und ihre kleinen Gassen, die fast alle zum Schloss Colditz führen.

Der Eingang zum Selben zeigt das Allianzwappen von August von Sachsen (1526-1586) und Anna von Dänemark, Kurfürstin von Sachsen (1532-1585).

Das Renaisanceschloss erlangte internationale Bekanntheit durch seine Nutzung als Kriegsgefangenenlager im 2.Weltkrieg.

Lange davor, um 1520 besaß es einen der ersten Tiergärten Deutschlands. Gefangenschaft bleibt wie ein böser Gedanke für viele Jahrhunderte über dem Schloss hängen.

Persönlich ziehe ich das Hinterschloss vor. In ihm beherbergt sind Keller- Kirchen- Fürsten- Küchen- und Saalhaus, denen ein ovaler Hof vorgestellt ist.

Der Haupzugang dahin führt durch den Anfang des 15.Jahrhunderts erbauten Flüsterbogen.

Seit DDR Zeiten hat das Schloss Besucher der „Bad Boys“ und ihrer Nachkommen. Bad Boys – so bezeichnen sich die ehemaligen Häftlinge. Seit dem 31.10.1939 war Schloss Colditz Lager für kriegsgefangene Offiziere. Britische Filme und Bücher kennen das Schloss als Castle Colditz. Amerikanische Soldaten befreiten die hier inhaftierten Personen höheren Ranges. 

Als ich Schloss Colditz in den letzten Junitagen besuche, ist die überwiegende Besucherzahl britischer Nation. Sie buchen die Führung, die ich meide. Irgendwas hindert mich daran, das Innere des Gebäudes direkt zu betreten. Mir ist bewusst, dass die Schlösser auch durch Eintrittsgelder überleben, allein müssen darum hier überall lebensgroße Abbildungen von Soldaten darauf hinweisen…sie wirken geisterhaft auf mich, ich mache keine Fotos von ihnen.

Zurück zum Hinterschloss. Die darin eingeschlossene Kapelle beherbergt Werke Lukas Cranachs des Älteren. Ein Blick hinein tut mir gut. Allein schon der Decke wegen.

Überhaupt…diese Decken, selbst in den Torbögen.

Der Vorgänger der Schlosskapelle war eine Marienkirche aus dem 12.Jahrhundert, von ihr bleibt nicht die Spur einer Ahnung.

Im ehemaligen Wirtschaftshof steht ein aus dem 19.Jahrhundert stammendes Gebäude, das heute einer Jugendherberge Raum bietet.

Endlich munteres Treiben in den weitläufigen Mauern, deren Gefangenheit mich drückt.

Zur Geschichte von Schloss Colditz gibt es einiges zu erzählen. Seine erste Blütezeit hatte als Jagdschoss unter Friedrich dem Weisen (1486-1525). Ein Blick über seine Mauern lässt klar werden warum. Immer noch Wald, Wald, Wald ringsherum.

1504 brannte das Schloss ab und wird 1520 im Stil der frühen Renaissance wieder aufgebaut. 1566 befiehlt Kurfürst August wohnliche Veränderungen am Schloss, er selbst will hier einziehen. Seine 2.Blütezeit erlebte das Schloss unter dem sächsischem Kurfürsten Christian I.(1560-1591) und seiner Gemahlin Sophie von Brandenburg (1568-1622). 

1829-1933 befindet sich in Schloss Colditz die Landesversorgungsanstalt für unheilbar Geisteskranke. Von 1925-1933 werden Bettler und Landstreicher hier zwangseinquartiert, um „Arbeitsscheue und Müßiggänger“ zum geregelten Leben zu erziehen. Bis 1930 sind das dann bis zu 320 Insassen.

1933-1945 werden sie „ausgetauscht“. Ein Schutzhaftlager für 600 Systemgegner wird eingerichtet, Bruno Apitz 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nackt_unter_W%C3%B6lfen

und Herbert Liebmann sind unter ihnen. Nach 1945 wird der Ort zur Sammelstelle für enteignete, vertriebene Gutsbesitzer. Ab 1946 dann Krankenhaus. 1969 beginnen die umfangreichen Sanierungen. Die DDR ist im Umgang mit Kulturgut teilweise fahrlässig. Zeichen davon sind heute noch, direkt vorm sanierten Eingang und eingebunden ins Schlossensemble zu sehen. Immerhin, die Katze die im Fenster liegt scheint sich wohl zu fühlen.

Seit 2003 gehört Schloss Colditz zu den staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsens.

http://www.schloesserland-sachsen.de/de/ueber_uns/

Gern verlasse ich diese Mauern wieder. Nebenan finde ich für mich tröstliches. 1564-1842 befand sich in diesem zauberhaften Gebäude die „Alte Knabenschule“.

Momentan ist es von Asylbewerbern mit Kleinkindern bewohnt.

Alpha und Omega. Ich fahre nach Hause.


Das Lied hat Herr Bludgeon beigesteuert.

https://tokaihtotales.wordpress.com/
Danke.

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