Februarende oder Coniglio in umido

Ende Februar sind meine Sonnenspeicher leer. Das geht mir nicht allein so. Der Winter zehrt in seinem letzten, harten Monat.
Doch gibt es überall schon Lichtblicke. Schneeglöckchen im Garten, Narzissensträuße im Haus und gelegentlich zwitschern die Vögel.
Eine weitere Freude für mich ist, für liebe Gäste zu kochen. Deshalb lade ich mir am letzten Februarwochenende ebensolche ein und bewirte sie mit einem italienischem Gericht – Coniglio in umido – das ist nichts anderes als Kaninchen in Tomatensoße und sehr köstlich.
Bei der Auswahl der Vorspeise habe ich zwischen Suppe und Salat geschwankt.
Entschieden habe ich mich für Insalata Caprese.

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Suppen hatte der Winter genug.
Das frische Grün des Basilikums und sein aromatischer Duft bringen Frühlingsgefühle, die uns allen gut tun.
Schmackhafte Tomaten und Mozzarella habe ich auch und zum Würzen des Salates benutze ich mein Parmesanöl mit rosa Pfeffer.

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Eine von allen gemochte und frische Vorspeise macht Appetit auf das Hauptgericht, das im Backofen fertig schmorend, verlockenden Duft verströmt. Seine Würze bezieht es zum großen Teil aus Kräutern – Rosmarin und Salbei – eine feine Fortsetzung der Basilikumnote also.
Zum Salbei habe ich bereits erzählt.
https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/07/24/salbei-und-seine-100jaehrige-ernte-in-sachsen/
Da ich das Heilkraut, genau wie den Rosmarin, in einem großen Topf ziehe – das ist der kälteempfindlichen Lage meines Gartens geschuldet – kann ich ihn auch jetzt beernten.
Beide freuen wir uns auf den Umzug nach draußen und den Frühling.
Das klassische Rezept von Coniglio in umido ändere ich nach meinem eigenen Geschmack leicht ab.

Es braucht dafür:
( 4 Personen )

1 Zwiebel
1 Stück Sellerieknolle
2 Möhren
2 große Knoblauzehen
2 EL Olivenöl
Rotwein
1 Dose Tomaten ( 850 ml )
Rosmarin
Salbei
2 Lorbeerblätter
Salz und Pfeffer
und natürlich…Kaninchen

Im Originalrezept wird das Kaninchen in mundgerechte Stücke zerlegt und sofort angebraten.
Ich mache es anders.
Die Keulen und Rückenstücke ( wir sind sechs Personen, ein Kaninchen reicht nicht ) lasse ich im Ganzen.
Damit sie trotz der größeren Stücke gut durchziehen, lege ich die Teile ein.
In einen großen Topf gegeben, füge ich ihnen frische Salbeiblätter, Rosmarinzweige, zwei Lorbeerblätter und einige kleingeschnittene Knoblauchzehen bei. Etwas Olivenöl gebe ich dazu und fülle mit einer Flasche Rotwein auf.
Da der Geschmack des Gerichtes – schon durch die Tomaten – fruchtig/frisch wird, wähle ich einen leichten, fruchtigen, italienischen Rotwein. Der Wein soll den Eigengeschmack des Kaninchens nicht überdecken.

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Über Nacht stelle ich den Topf kühl, aber nicht in den zu kalten Kühlschrank.
Der Duft und Geschmack der Kräuter kann so am Besten in’s Fleisch übergehen.
Ich bin – im Leben und beim Kochen – ein Freud fließender Handlungabläufe. Da ich am nächsten Tag auch das Dessert zubereiten will, bereite ich das zum Kochen notwendige Gemüse am Vorabend zu.
Ein Stück einer Sellerieknolle, Möhren, Zwiebeln und Knoblauch putze ich und schneide sie in kleine Stücke.

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Ungern kaufe ich einen Bund Suppengemüse. Oft sind die angeschnittenen Gemüsestücke welk.
Was von der Sellerieknolle übrig bleibt, schneide ich in dünne Scheiben, die ich trockne. Diese Scheiben geben später jeder Bratensoße einen guten Geschmack. ( Ein Rat meiner Frau Schwiegermutter. )
Am nächsten Tag beginnt das große Kochfest.
Ich nehme die Kaninchenteile aus der Marinade, tupfe sie trocken und brate sie portionsweise in Olivenöl an.

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Auf eine große Platte gelegt, salze und pfeffere ich sie erst jetzt.
Den in der Pfanne entstandenen Bratensatz lösche ich mit Rotwein ab, um ihn später weiterzuverwenden.

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Jetzt kommt das kleingeschnittene Gemüse in den großen Bräter und wird in Olivenöl angeröstet. Mit dem Bratenfond lösche ich ab und gebe die Kaninchenteile dazu.

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Wenn die vorhandene Flüssigkeit eingekocht ist, lösche ich mit einem Teil der Marinade wieder ab und gebe die pürierten Dosentomaten und das Tomatenmark dazu.

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Einen frischen Rosmarinzweig, einige weitere Salbeiblätter, etwas Knoblauch und noch ein Lorbeerblatt gebe ich in die Pfanne, bevor ich sie mit dem Deckel verschließe und für ca. eine Stunde bei 160 Grad Umluft in den Backofen stelle.

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Nun habe ich Zeit mich um das Dessert –  das mir immer das Liebste ist – zu kümmern.
Genau wie meinen Gästen verrate ich auch euch nicht, was es ist – noch nicht.
Nach einer Stunde nehme ich die Pfanne aus dem Backofen und lasse alles abkühlen.

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Ist das geschehen, kommen die Kaninchenteile heraus.
Die entstandene Soße siebe ich, dann kommt das Kaninchen wieder hinein und kann in Ruhe alle Aromen aufnehmen.

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Nocheinmal für ca.1,5 Studen bei 160 Grad Umluft fertig schmoren.
Während meine Gäste und ich plaudernd die Vorspeise genießen, wärme ich meine Hauptspeise eine letzte knappe halbe Stunde bei geschlossenem Deckel im Ofen auf. Wieder bei Umluft, aber nur bei ca.120 Grad.

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Zum Servieren brauche ich die Teile dann nur auf einer Platte anrichten, die Soße dazu reichen, welche sich wunderbar mit frischen Weißbrot auftunken lässt.

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Genießend schmausen wir lange.
Meine Gäste sind meine Schwester mit ihrem Mann und die Supergärtnerin mit ihrem Mann, die eine Cousine meines Mannes ist.
Bei so viel Familie redet es sich gut und leicht.
Die vier haben gemeinsam die Zeitung zu meiner und des Gärtnergattens Hochzeit gestaltet, sich lange nicht gesehen und viel zu erzählen.
Lachend stellen wir fest – ingesamt sitzen 109 Ehejahre am Tisch.

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Langsam essen, miteinander sprechen, das Leben im hier und jetzt genießen.
Nur eins fehlt noch…das Dessert…
Bald.
Von meinen Gästen habe ich zum Geschenk Frühblüher bekommen.
Die Winterlinge und Elfenkrokuse pflanze ich auf meine Frühlingswiese.
So, dass mein Blick direkt auf sie fällt, wenn ich aus meinem Küchenfenster schaue.
Das Kochen macht nun noch mehr Freude.

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36 Antworten zu “Februarende oder Coniglio in umido

  1. Ein leckeres festliches Mahl, klasse beschrieben. Da hab ich sogar vor dem Frühstück Lust auf Kochen. Ich werde das Rezept mal probieren, eventuell mit Geflügel, weil um mich herum nur Hasenstreichler sind 😉 Ich freue mich schon auf das Dessert und wünsche dir einen famosen Montag liebe Arabella 🙂

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  2. Ihr habt den Osterhasen aufgegessen. Wer soll dann dieses Jahr die Geschenke bringen ? 😉 😉

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  3. Guten Morgen, Arabella, danke für diese genussvolle Führung.

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  4. Da ist man doch gerne Gast! Hat sicherlich SEHR GUT geschmeckt 🙂
    Wünsche eine schöne Woche.

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  5. Wünsche eine schöne sonnige Woche lieber Gruß Gislinde

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  6. Und Sauce mit Brot auftischen. (Fast) Fas beste am ganze Essen!
    Fein sieht’s aus!
    👍
    Meine Eltern hatte in meiner Kindheit auch viele Hasen im Stall. Sie waren sonntägliche Mahlzeit, Tauschmittel und Geld. Ich mag es gerne!

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  7. Oh, toll – wie ich Kaninchen mag, dieses fettarme leckere Fleisch ist bei uns des Öfteren auf dem Teller zu finden. Wir kochen meistens auch eines der verschiedenen intalienischen Rezepte. Ich hab Hunger gekriegt, gehe in die Küche… 😉
    Danke für diesen feinen Beitrag.

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  8. Oh wie köstlich, liebe Arabella, deine Platte mit dem Kaninchen, zum reinbeißen *hmmmmmmmm
    Muss ich unbedingt auch wieder mal machen und da bietet sich ja Ostern gleich an 😉
    Ich habe das Rezept mal von meinem Schwieger(koch)sohn bekommen und es war echt lecker.
    Ansonsten bereite ich das Kaninchen in Buttermilch eingelegt, zu und dann gibts noch saure Sahne dran.
    Bezaubernd hast du euren Tag beschrieben und dafür ein liebes Danke ❤

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  9. Was für eine Futterorgie 😉

    Aber essen hilft nicht gegen Vitamin D Mangel. Geh vielleicht mal auf eine Sonnenbank.

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  10. Der Salat war die bessere Wahl! Farben auf dem Teller, Frühlingsduft durch den Basilikum…. Genau das Richtige für einen solchen Tag!
    Du hast sehr kluge Gäste eingeladen, denn sie haben sich Gedanken gemacht, bevor sie ein Geschenk gekauft haben! 🙂

    Gefällt 1 Person

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