Das Letzte vom Tag

Den Weg zum Bus gehe ich heute Vormittag langsamer als sonst.
Diese Sonne will genossen sein.
An der Haltestelle angekommen, bleibt genug Zeit Sonnenstrahlen einzufangen
Eine Mutter mit kleiner Tochter gesellt sich zu mir Wartenden.
Flüchtlinge. Die Kleine etwa so alt wie meine Schaukelinhaberin. Augen wie dunkle Sonnen hat sie. Mein sie anstrahlen erwidert sie mit wachsender Begeisterung. Die Mutter, Zigarette rauchend, tippt in ihr Handy.
Ein Taxi hält am Bus, dem eine ältere Frau mit Rollator entsteigt. Aufgeregt versucht sie ihre Brille zu finden, um den Fahrplan zu lesen.
Hilfesuchend blickt sie auf eine junge deutsche Frau, die direkt neben ihr steht. Als wäre die Frau Luft, ignoriert diese auch ihre direkte Anfrage.
Meine Brille habe ich auch nicht zur Hand, den Fahrplan weiß ich auswendig und kann helfen.
Wir kommen ins Gespräch.
Die Frau mit dem kleinen Mädchen folgt aufmerksam unserer Unterhaltung.
Als der Bus kommt, hilft sie der alten Dame mit dem Rollator in den breiteren Hintereinstieg zu kommen.
Ihr kleines Mädchen steigt an meiner Hand vorn ein. In der Mitte des Busses treffen wir uns.
Die junge Deutsche bleibt allein.

27 Antworten zu “Das Letzte vom Tag

  1. Tja … mal so und mal so …

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  2. An deiner Hand das Mädchen – so menschliche Augenblicke, wie gut!

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  3. Danke fürs Teilen dieser Geschichte!

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  4. Gut gemacht! Is doch Wurscht, ob das eine Asylantin mit kleinem Kind war oder eine hübsche Sächsin. Menschlichkeit zählt! 👍👍👍

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    • Alle Vorurteile kommen hier zum Tragen…junge rauchende Mutter, ständiges Handy benutzen…
      Und doch, liebe Antje, das Kind hat so glücklich meinem Augenspiel gefolgt.
      Die Mutter hatte bemerkt, das ich der älteren Frau geholfen habe, verstehen konnte sie uns nicht, aber fühlen.
      Aus einer Gesellschaft kommend, die Altersachtung noch kennt, hat sie instinktiv richtig gehandelt.
      Bei allem wenn und aber, wir alle können voneinander lernen…und bleiben nicht allein.
      Schlaf gut.

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  5. Schön … So was liest man gern. 🙂
    LG, Eberhard

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  6. Das ist so schön! Die kleinen menschlichen Begegnungen, die Trost schenken in einer verwirrenden Welt.
    Herzliche Grüße, Holger

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  7. hoeflichkeit, hilfsbereitschaft und verstehen, das geht auch oft ganz ohne Sprache, aber das muss man koennen und verstehen. So wie die Mutter mit der Tochter. Leider kann das nicht jeder. Wegschauen ist ja soviel leichter und soviel aermer.

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  8. Schönes Erlebnis das Mut macht, aber auch nachdenklich. Hoffentlich bleiben die Helfenden in der Überzahl!!!

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  9. Ich mag deine Blog sehr sehr gern! Vielleicht magst du ja auch mal bei mir rein schauen. Ich würde mich freuen. Alles Liebe, Mona ❤ http://www.monakuehlewind.de

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  10. Solche Geschichten kann nur das wahre Leben schreiben

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