Das Letzte vom Tag

Beim Frühstück sagt der Gärtnergatte einen Satz, der mir tagsüber nicht aus dem Kopf geht.
Sinngemäß war er: “ Unser alltägliches Leid, kann mit dem Leid der Flüchtlinge  nicht verglichen werden.
Er hat ihn irgendwo gelesen. Das er ihn mir erzählt zeigt, dass er ihn beschäftigt.
Morgens bin ich müde. Nicht mehr.
Deswegen sage ich dazu nicht viel.
Aber er lässt mich nicht los, dieser Satz.
Für mich stimmt er nicht.
Leid lässt sich nicht kategorisieren.
Am Tag ergibt sich bei der Arbeit ein Gespräch mit einer mir fremden Frau.
Die 65jährige hat vor kurzem durch eine heimtückische Krankheit ihren 37jährigen Sohn verloren.
Ihr Herz ist voller Leid. Es fließt aus jedem der vielen Worte, die sie verliert.
Leid ist immer gleich stark oder schwach. Egal wem es in welcher Situationen trifft. Vielleicht gibt es Abstufungen in der Stärke…
Während mir all das durch den Kopf geht, liege ich in meiner, mit wohltemperierten Wasser gefüllten, Badewanne. Der Duft der im Wasser gelösten Öle beruhigt und mein Blick kann frei in den Garten fallen.
Ich sauge all das in mich ein, um gewappnet zu sein und wach.
Wenn das Leid kommt.
Das Anderer oder das Eigene.

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58 Antworten zu “Das Letzte vom Tag

  1. Sehr tiefe und wahre Gedanken. Lässt das Leben zuweilen in allen Ecken beleuchten & auch manchmal sehr fragwürdig erscheinen.

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  2. Darum genieße das Leben, das Leid kann plötzlich und zu jeder Tageszeit dein Leben verändern. Dir noch einen schönen Abend. L.G.

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  3. Lass den Satz frei. Es ist einer, der Mitgefühl zeigt und Dankbarkeit für ein eigenes besseres Leben.
    Unter jedem Dach wohnt ein Ach, sagte eine Bremer Freundin.
    Viele liebe Grüße funkelt die Fee✨

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  4. Und so stimmte der Satz dann doch: Ein Leid ist mit dem anderen nicht zu vergleichen.

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  5. Mir geht es immer schlechter mit meiner ALS.
    Treppen werden zum großen Problem.
    Wir suchen eine neue Wohnung mit Lift und ebenerdiger Dusche.

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  6. Leid ist so vielfältig und jeder hat seine Leidensschwelle woanders, sogar ich selbst – je nach seelischer oder körperlicher Verfassung.
    Man kann es wirklich nicht vergleichen oder an anderem Leid messen.
    Darüber nachzudenken und mitzufühlen hilft vieleicht schon, es zu lindern.

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  7. In Hamburg zerlegt man schon das Mobiliar und massiert sich gegenseitig mit Tischbeinen und Eisenstangen. Nebenbei werden jetzt auch Hallen aus Privateigentum beschlagnahmt.

    Also so langsam reicht’s.

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  8. Schöne Gedanken. Danke. Und Plietsche Jung kann ich auch gut verstehen.

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  9. leid lässt sich tatsächlich nicht kategorisieren; manchmal hilft es aber beim relativieren. noch einen guten abend. barbara

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  10. Leid ist ohne Neid sagt ein altes Sprichwort.
    Jeder hat sein Päckchen zu tragen und jeder erfährt sein eigenes Leid. Wie er es empfindet ist individuell. Man kann es nicht vergleichen.
    Vor Jahren brannte meine Wohnung aus. Ich stand vor dem Nichts. Wie Versicherungen arbeiten weiß man… ich kam zunächst mit meinem Sohn bei einem Freund unter – zu dritt in einer kleinen Einzimmer-Wohnung. Meine Mutter sagt immer „Platz ist in der kleinsten Hütte“. So gesehen hat sie recht.
    Dennoch würde ich mein damaliges Leid nicht mit dem anderer vergleichen. Auch nicht mit dem der Flüchtlinge, obwohl ähnlich.
    Ich weiß nur dass ich das Schlechte kennen gelernt habe und dafür nun das Gute zu schätzen weiß.

    Ich wünsche eine gute Nacht.

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  11. Du kannst beim Baden in den Garten schauen? o.O Ich ersetze einen Buchstaben… Neid! Aber im positiven Sinne. 😉 Das muss toll sein.

    Viel Spaß bei jedem weiteren Bad mit dieser Aussicht wünsche ich!

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  12. Das dachte ich auch … So ein wunderschöner Blick aus dem Fenster!

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