Ein ganz normaler Tag…

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…in der Woche. Nur das ich über Zeit verfüge. Kurz nach acht Uhr morgens laufe ich durch meine Stadt. Das ist der Vorteil, wenn man keinen Führerschein hat und in einer Kleinstadt mit geringem Busnetz wohnt. Ich erlebe meine Stadt zu Fuß. Die Straßen sind wieder leer, eilige Eltern haben ihre schwer beranzten Sprößlinge in den Schulen verteilt, die Schultüren haben sich hinter der schwatzenden, fröhlichen Menge geschlossen und die Straßen liegen ruhig. Die geschäftigen Mütter und Väter sind in ihre Autos gestiegen und davongesaust. Leere bleibt. Die Fußwege warten auf den Ansturm der Rentner, die nach Öffnung der Läden einzig die Straßen bevölkern und ihre Einkäufe machen. Von ihnen leben die wenigen Geschäfte der Innenstadt. Wer jünger ist, kauft meistens billiger in der Großstadt und im Supermarkt.
Geöffnet haben schon die Bäcker, ich schaffe es, an den geleeglänzenden, farbigen Zuckerwundern vorbeizugehen, der vietnamesische Gemüsehändler ordnet gerade liebevoll seine Auslagen und verkauft mir auf Anfrage mit freundlichen Guten-Morgen-Wünschen ein Schälchen frischer Erdbeeren, deren Duft süßen Genuss ohne Reue verspricht.
Wie einen Schatz trage ich sie heim und kann es kaum erwarten den Löffel in die Schüssel zu tunken, in der sie bald nach meiner Ankunft in Milch schwimmen. Ich brocke mir etwas Zwieback hinein und setze mich mit meiner Schale voller Juni in die noch milde Morgensonne. Meine Haut scheint sich unter ihrer Berührung auszudehnen. Als könnte eine größere Oberfläche mehr von der wohltuenden Wärme speichern.
Üppig sind die Blätter nach dem Regen der letzten Tage gewachsen, ihr Rauschen mischt sich mit Vogelgezwitscher, ich werde still und eins mit ihnen.
Eine letzte Pfingstrose fällt mir in den Blick, ihre voll erblühte Schönheit zeigt die ersten Spuren der Vergänglichkeit.
Wir schauen uns an und verstehen uns ohne Worte.

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71 Antworten zu “Ein ganz normaler Tag…

  1. Das glaube ich, dass Du und die Pfingstrose euch gut verstehen!

    Erdbeeren, Milch Zweiback war (genauso wie Kartoffeln, Spiegelei und Gurkensalat) ein heiße-Tage-Sommer-Mittagessen meiner Kindheit! Danke für die Erinnerung, muss ich meinem Kind unbedingt mal machen!

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  2. Oh Arabella,
    danke, dass du mich an deinem Morgen hast teilnehmen lassen 🙂
    …. und das so feinfühlend und hinreissend aufmerksam beschrieben – da möchte ich gern ein bisschen mehr 😉
    Liebe Grüsse, Xaver

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  3. Ich lobe. Fürs Laufen, für Imagination in Worten, spürbar wie der Duft einer Pfingstrose. Und natürlich Erdbeeren. Zwanzig Minuten habe ich noch, dann geht es an die Arbeit, die ich auch sehr mag. Ich darf über arbeitende Menschen schreiben und das was sie tun, anderen vorstellen. Dabei lerne ich sehr viel über Berufe der verschiedensten Arten. Gestern schrieb ich über Familienpflege und lernte etwas darüber. Vorgestern stellte ich eine Gas-Wasser-Installateurin vor, die nebenher ein uraltes Pferd pflegt und gern in Kärnten urlaubt. Eine sehr patente Lady mit der Lizenz für Rohrzange, außerdem studiert und Geschäftsführerin eines tollen Unternehmens mit einer außergewöhnlichen Philosophie.
    So, muss weiter…Miep…Miep…✨

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    • Du feinsinniges Seelchen du…
      Ich hatte neulich eine sehr unangenehme WP-Begegnung mit jener Margitta oder so ähnlich, die auch dich so mit so eigenartigen Dank für deine angebotene Hilfe auf ihrem Blog bedachte.
      Erst wollte ich die merkwürdigen Kommentare zu meinem Märchenartikel stehen lassen, dann habe ich sie jedoch gelöscht. Ich möchte solchen Menschen in meinem Blog keine Plattform bieten…Tststs.
      Arbeit und Pausen…der Wechsel bringt die Harmonie.
      Liebe Grüße in einen guten Tag.

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      • 😉lass Dich nicht ärgern. Wer weiß, warum sie so geworden ist, die Madame M.
        Ich bin schon lange davon ab, mich durch so etwas provozieren zu lassen. Kommentare, die auf Krawall bürsten wollen und ins Blaue ballern, werden kommentarlos gar nicht erst freigeschaltet. No comment. Ich gehe und lasse die Herrschaften in ihrer übersäuerten Lebenseinstellung einfach stehen. Einmal gut schütteln, dass die unverhofft abbekommene Galle abperlen kann vom Fell und dann nix wie weg. Ich mach grad wieder ein kleines Päuschen. Jetzt geht es wieder gut weiter. Schlechte Stimmungen sollten wie schnell vorbeiziehende Wolken sein. Doch gern , nur zu gern mag ich es lange warm und heiter…:)

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        • Dem ist nichts hinzuzufügen…🌈

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        • Nur noch eins dazu. ..Frau M.betreibt mit unterschiedlichem Gravatar zwei Blogs und tauscht sie nach Belieben aus. Der eine davon vertritt eine rechtsradikale Gesinnung, das wusste ich vorher nicht, sonst hätte ich ihren Kommentar nicht frei geschaltet.

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          • Dann ist es umso wichtiger, diesen Leuten keinerlei Plattform zu bieten, wenn sie irgendwo Braunes propagieren! Ich würde nicht anders handeln als Du und bin gewarnt, werde mich mal informieren, was sie da absondert und sollte sie es wagen bei mir aufzukreuzen mit Haderkram irgendwelcher Weise, gibt es was von scharf frontal!
            Das kann ich nämlich auch.😉

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            • Es ist ein Weilchen her und ging um die Einstellung zu Pegida. Eine seltsame Frau, die den Post mit der Debatte zwischen euch inzwischen gelöscht hat. Ich hab mich zu sehr geärgert und deshalb mal nachgeschaut, hätte ja auch sein können, ich habe selbst was gesagt, dass verkehrt angekommen ist…aber nein…eindeutig nicht.
              So, nun schüttle ich mein Fell…danke für’s trockenrubbeln. ❤

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              • Es gibt Menschen, die einfach seltsam sind. Sie nehmen Anstoß um des Anstoßnehmens willens. Vielleicht, weil sie ständig unzufrieden sind mit sich und der Welt und dies lieber an anderen abreagieren als an sich selbst. Immer wieder begegnen mir solche merkwürdigen Exemplare. Man erkennt sie meistens schon an den Zornesfalten im Gesicht, herabhängenden Mundwinkeln und dem finsteren Blick.
                Manchmal kann man sie meiden und manchmal nicht. Dann braucht man ein dickes Fell und Schlagfertigkeit, um sie auszuknocken, bevor sie ihren sauren Charakter übertragen können.
                In diesem speziellen Fall empfehle ich, die Straßenseite zu wechseln. Das stinkt.
                Gern trockengerubbelt. Ist nichts klebengeblieben. Nase an Pfingstrose halten. Das neutralisiert.😉

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  4. Bin wieder da! Hochzeit war ein Traum! Alles SUPER verlaufen und vor allem ist das Hochzeitspaar glücklich. Wir freuen uns alle mit ihnen.
    Nun zu deinem morgendlichen Workout. Auch wenn du gezwungener Maßen gehen musstest, ist es trotzdem schön zu hören, dass du es getan hast. Denn das ist der Anfang eines ‚gesunden‘ Tages!
    LG Robert

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    • Lieber Robert, nun würde ich gern ein paar Bilder von der Hochzeit sehen…vor allem den Brautstrauß!
      Und nein, ich gehe nicht gezwungenermaßen, sondern gern, nur halt nicht im Laufschritt. Es ist so bedauerlich, dass heute fast jeder Schritt mit dem Auto gefahren wird. Das ist nicht gut, weder für die Umwelt noch für den Menschen. Und was es immer alles zu sehen gibt!
      Herzeliges

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  5. mir gefällt dein ganz normaler Tag, liebe Arabella, schönen Dienstag, Klaus

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  6. Hm, Erdbeeren, Milch, Zwieback – ich gehe jetzt mal Naschen ;o) So schön geschrieben, und die Pfingstrosen werde ich auch vermissen…

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  7. Heute bin ich ja sooooooooo glücklich und nun noch ein bisschen mehr,
    da ich deinen wunderschönen Blog gelesen habe….danke ❤

    Bin heute Morgen auch ganz zeitig los, wegen der Festplatte (du weißt ja) und bekam leider keine Hilfe.
    Nun habe ich bis vor einer Stunde selbst wieder gewerkelt und gesucht in den Weiten des Internets und siehe da, sie LÄUFT wieder *Hurraaaaaaaaa

    Jetzt kommt auch die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und setzt meine Glückshormone doppelt frei 😉

    Ein herziges Grüßle,
    Uschi

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  8. Ich schau mal was sich machen lässt bezüglich der Bilder. Schicke sie dir dann per Mail. Bis dann!

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  9. Euer Rasen lässt euch auch keine Verschnaufpause, wa?!

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  10. Ich hab zwar nen FS, parke aber gern am Stadtrand und laufe durch die Stadt.
    Häufig übernimmt das aber die Göttergattin, da ich zu spät nach Hause komme. Ich lass mir’s dann erzählen. Wenn man woanders arbeitet als wo man lebt, ist das eben suboptimal.
    Ich sollt mal wieder…

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  11. Was für ein herrlicher Start in den Tag! So müsste es öfter sein…..

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