Wie man von der Walpurgisnacht auf italienische Restaurants kommen kann oder sogar auf Vergissmeinnicht und den Tee daraus

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Walpurgisnacht

Am Kreuzweg weint die verlassene Maid,
Sie weint um verlassene Liebe.
Die klagt den fliegenden Wolken ihr Leid,
Ruft Himmel und Hölle zu Hülfe. –
Da stürmt es heran durch die finstere Nacht,
Die Eiche zittert, die Fichte kracht,
Es flattern so krächzend die Raben.

Am Kreuzweg feiert der Böse sein Fest,
Mit Sang und Klang und Reigen:
Die Eule rafft sich vom heimlichen Nest
Und lädt viel luftige Gäste.
Die stürzen sich jach durch die Lüfte heran,
Geschmückt mit Distel und Drachenzahn,
Und grüßen den harrenden Meister.

Und über die Heide weit und breit
Erschallt es im wilden Getümmel.
»Wer bist du, du schöne, du lustige Maid?
Juchheisa, Walpurgis ist kommen!
Was zauderst du, Hexchen, komm, springe mit ein,
Sollst heute des Meisters Liebste sein,
Du schöne, du lustige Dirne!«

Der Nachtwind peitscht die tolle Schar
Im Kreis um die weinende Dirne,
Da packt sie der Meister am goldenen Haar
Und schwingt sie im sausenden Reigen,
Und wie im Zwielicht der Auerhahn schreit,
Da hat der Teufel die Dirne gefreit
Und hat sie nimmer gelassen.

Theodor Storm

Da haben wir es.
Das hat die christliche Kirche aus der auf matriachalische Gesellschaftsformen zurück greifenden Walpurgisnacht gemacht.
Einen Hexensabbat.
Der Tag ist der heiligen Walpurga gewidmet, die just am 1. Mai heilig gesprochen wurde.
Goethe brachte mit seinem Faust die Geschichte ins rollen und bald kannte ein jeder die Walpurgisnacht auf der die Hexen auf dem Blocksberg tanzen, oder eben eigentlich nicht, denn viel ältere Rituale wurden gefeiert. Hexen hat es nie gegeben.
In der Walpurgisnacht ging es tatsächlich um Liebe und Erotik, um Fruchtbarkeit und Wachstum.
Einige ihrer Riten finden sich in bäuerlichen Maibräuchen wieder, die hauptsächlich von der Jugend betrieben werden.
Das jedoch war wohl in allen Zeiten so.
Bekannt ist das Maibaum stellen.
Meist ist der Maibaum eine Birke, er ist ein Fruchtbarkeitssymbol zum einen. Zum anderen stellt er den noch viel älteren Weltenbaum dar.
Stellt man ihn der Liebsten vor ’s Haus, erhofft man sich mehr. Um dies zu bekommen wird ausgelassen um den Maibaum getanzt, der in der Dorfmitte aufgestellt wird. Dort, wo auch die Maifeuer brennen.
All das sind alte Rituale,  die der Fruchtbarkeit des beginnenden Frühjahrs huldigen.
Selbst König Artus schöne Gemahlin Guinevere ritt mit ihrem Gefolge zum maien in den ergrünten Wald. Sehr wünsche ich ihr,  Herr Ritter Lanzelot möge ihr nah gewesen sein.
Vielleicht fanden die beiden in den Maiwäldern Vergissmeinnicht.
Denn dies ist ihre Zeit.

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Wenn in der Walpurgisnacht Vergissmeinnicht gepflanzt werden – und zwar auf einen mit Erde belegten Stein – wird man erfahren, ob die Liebe dauern wird. Wachsen die Pflanzen zueinander, bleibt der Geliebte treu und sogar eine Hochzeit steht in’s Haus. Wenn nicht. ..
Die Blüten des Vergissmeinnicht wachsen immer zu mehreren in kleinen Büscheln. In der Blumensprache steht das für Liebe und Treue.

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Erst seit dem 15. Jahrhundert trägt das blaue Blümelein den Namen Vergissmeinnicht.
Vorher nannte man es „Blauer Augentrost“ oder „Blaues Mäuseöhrlein“. Seiner an Mäuseohren erinnernden Blütenblätter wegen, denen es auch seinen aus dem griechischen kommendem botanischen Namen „Myosotis“ verdankt.
Myós- die Maus und Otis- das Ohr.

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Nachdem sich der Name Vergissmeinnicht durchgesetzt hat, besitzt es sogleich noch eine sprachliche Besonderheit. In vielen anderen Sprachen heißt die Schöne genauso.
In Vergessenheit geraten dagegen ist ihre Heilkraft.
Aus dem blühenden Kraut gewinnt man – frisch oder getrocknet – Tee, der getrunken eine Stärkung nach schweren Krankheiten verspricht.
Er hilft gegen Durchfall und bei Erkrankungen des Verdauungstraktes.
Umschläge davon lindern Hautentzündungen und Quetschungen.
Dafür verantwortlich sind seine Inhaltsstoffe,  u.a. Gerbsäure, Kalium und Alkaloide, die adstingierend, beruhigend und entzündungshemmend wirken.
Gesammelt werden kann er nicht nur in der Walpurgisnacht, sondern so lange das Kraut blüht, es werden auch noch Kräfte für den 1.Mai gebraucht.
1.Mai – Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse.
Am 1. Mai 1890 gingen 100.00 Arbeiterinen und Arbeiter in Berlin und Dresden zu den so genannten „Maispaziergängen“ auf die Straße, um zu demonstrieren und zu streiken.
Infolge dessen beschloss die SPD im Oktober selbigen Jahres auf ihrem Hallenser Parteitag den 1. Mai dauerhaft als Feiertag der Arbeiterklasse einzuführen.
In der DDR groß geworden, waren mir die Mai-Umzüge ein Graus.
Die Teilnahme für Schüler war Pflicht.
Die Erwachsenen wurden zeitweise und regional unterschiedlich gelockt.
Eine Weile zahlte der Betrieb,  in dem mein Stiefvater arbeitete, jedem „Freiwilligen“ 5 Mark, später gab es nur noch eine Bockwurst gratis. Mein Stiefvater aß sehr gern Bockwurst und so zogen wir durch die Stadt und liefen hinter Plakaten mit den erstaunlichsten Parolen.
Richtig ärgerlich wurden diese verordneten Volksumzüge für mich, als der Gärtnergatte in Berlin studierte. Selbstverständlich musste er in Berlin an den Demonstrationen teilnehmen und ich blieb mit unserer kleinen Tochter allein zu Hause.
Und dennoch.
Der 1. Mai ruft in mir immer Erinnerungen an meine Heimatstadt wach. Oft verbringen wir diesen Tag noch immer in ihr, der Gärtnergatte beim Mailauf und ich in ihren ergrünenden Parkanlagen.
Dieses Jahr werden wir die Gaststätte besuchen, in der unsere Hochzeitsfeier statt fand.
Inzwischen ist in ihr ein italienisches Restaurant beherbergt.
Die etwas gruseligen Wandbilder mit ihren dicken Engeln übersehe ich gern.
Finde ich hier doch – neben guter, italienischer Küche –  etwas ganz anderes.
Aufrichtige Gastfreundschaft.
Nirgendwo bin ich so von aufmerksamen, lustigen, ihren Job liebenden Kellner umgeben, wie in den italienischen Restaurants. Etwas, was ich in deutschen Restaurants, vor und auch nach der Wende, sehr vermisse.
Zudem an einem Ort, den der Gärtnergatte und ich mit dem Beginn unserer Liebe verbinden.
Walpurgisnacht für Ältere.
Ich werde die Perlen rausholen.
Auf in den Mai. Juchhei.

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40 Antworten zu “Wie man von der Walpurgisnacht auf italienische Restaurants kommen kann oder sogar auf Vergissmeinnicht und den Tee daraus

  1. Sprunghaft, informativ und interessant – und wir sind nicht „älter“, höchstens reifer… 🙂

    LG

    Maccabros

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  2. Die Bockwurst gab es bei mir auch … natürlich! Und die Schalmeienkapelle der örtlichen Fabrik TEXTIMA, die den „Umzug“ anführte.
    Morgen die Mainelke nicht vergessen! 😉
    … oder lieber doch ein Vergissmeinnicht!
    Hab einen schönen Tag!

    Gefällt 1 Person

  3. Es gibt eine gar nicht konventionelle Vertonung des Storm-Gedichtes von Achim Reichel auf seiner „Wilder Wassermann“-CD, auf der er Balladen und Mythen neue Töne verleiht. Auf jeden Fall eine Hörempfehlung. Hier, zum Reinhören, mit Verlaub:

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  4. Ja, der 1. Mai, wie sich die Erinnerungen doch gleichen. .-))) Ich wollte noch einen Link zu Achim Reichesl Walpurgisnacht reinstellen, aber wie ich sehe, ist der schon da.
    LG, Eberhard

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  5. Interessant finde ich deine Sätze über König Artus. Eine Legende, die ich mehrfach und in verschiedenen Versionen, gelesen habe. Besonders gut hat mir dabei das Buch von Marion Zimmer Bradley gefallen, das eine ganze eigene Sicht aufzeigt. Und der Film mit Clive Owen.

    Interessant für mich auch, wie sehr die Kirche(n) ehemals heidnische Feiertage und Bräuche als nun christlich übernommen hat. In den Nebeln von Avalon wird auch das am Ende gut aufgezeigt, als Morgaine das Kloster Glastonbury besucht. Aber ich schweife schon wieder ab.

    Das Gedicht mag ich. Aber das hast du bestimmt gewusst. 🙂

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    • Mir ist die Sicht auf die Dinge, die Frau Bradley hat, zu verklärt.
      Das Artus Epos gibt eine ganze Menge Hinweise auf die vorchristlichen Geschichte preis. Einer davon ist Merlin, der aus der Zeit der Mythen vor Christus stammt und auch danach handelt.
      Morgan le Fay ist im Ursprung für mich die Muttergöttin und stammt aus matriarchalen Zeiten. Ein weites Feld…
      Aber du bist ja sowieso im Elfenreich.:-)

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      • Es gibt ein Buch – Auf der Suche nach Merlin -, von Nikolai Tolstoy, das den Ursprung der Merlin-Legende tiefer beleuchtet. Was Tolstoy dort schreibt ist interessant. Ein Vorbild für Merlin war vermutlich Myrddin Lailoken, der nach einer verlorenen Schlacht nach Schottland floh.

        Spuren von Artus weisen dagegen auf den Römer Lucius Artorius Castus hin, der im 5. Jahrhundert n. Christus in Britannien stationiert war. Der König Artus im Film trug ebenfalls diesen Namen.
        Ob das alles stimmt? Ich frage im Elfenreich nach. Yuki tippt sich an die Stirn und lacht … mich an 😉

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  6. Liebe Arabella, auch für dich mein Gruß zum 1. Mai, Klaus

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  7. Wie wunderbar du die Kurven zu all den Geschichten in einem Beitrag bekommst, erstaunt mich immer wieder *Chapeau

    Jawohl, auf in den Mai und ich wünsche dir einen ganz schönen Tag, ein langes erholsames Wochenende
    und lass ❤ liche Grüsse hier.

    Jetzt geht's in die Küche, die Kartoffeln warten 😉

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  8. Wieder einmal sprudelt es nur so! 🙂

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  9. Klasse…das habe ich noch nicht gewußt – danke, sehr informativ und vielseitig.
    Hab einen schönen 1.Maifeiertag ❤

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  10. Das Gedicht von Theodor Storm ist klasse. Tolle Naturbilder und ein klasse Text. Schöner Blog von dir. Viel Spaß heute. L.G.

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  11. Wie sagt man „Wir kleben an Deinen Lippen, wenn Du erzählst“, wenn man liest statt zuhört? Ah klar! „Wir kleben an Deinen Fingern wenn Du erzählst!“ 🙂
    Wunderbar! Wie immer liebe Arabella…. 😉
    LG
    AnDi

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  12. Ich mag Mythen! Danke für deinen informativen und tollen Bericht…
    Ernst

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