Monatsarchiv: März 2015

Das Letzte vom Tag

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Schon im Sommer hat mir Dieter von
http://schnippelboy.com
dieses Bild zur Verfügung gestellt.
Und bald gibt es sie wieder:
Schubkarren voller Blumen

Lenzmond

…ist einer der vielen alten Namen die der Monat März früher hatte.
In ihm haben zwei meiner Liebsten Geburtstag.
Die Schaukelinhaberin wird in diesem Jahr 2 Jahre jung und genau einen Tag später wird meine Frau Mutter 80 Jahre alt.
Kein Wunder, dass die beiden sich so gut verstehen.
Für die Kleine habe ich ein handbemaltes Porzellanosterei.  In jedem weiteren Jahr bekommt sie von mir ein neues Osterei dazu, so dass sich ihr Osterstrauß langsam füllt.

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Traditionell werden zum Osterstrauß am Gründonnerstag Birkenzweige geschnitten und zum Austreiben in eine Vase mit warmen Wasser gestellt. Am Ostersonntag werden die Zweige dann mit bunten Eiern und Figuren geschmückt.
Meist steht der Strauß jedoch schon einige Tage vorher in der Stube und kündigt mit seinen frischen grünen Blättern das Wiedererwachen der Natur an.
Ostern hat kein fixes Datum und wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühjahrsanfang gefeiert. In diesem Jahr liegt der Termin erst im April.

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Am 8.März ist Internationaler Frauentag.
Dieser Tag wurde in der DDR als Ehrentag aller Frauen gefeiert.  Den Muttertag kannte ich bis zur Wende gar nicht.
Üblicherweise schenkten wir unseren Müttern und Lehrerinnen an diesem Tag Blumen. Meist waren das Alpenveilchen, die einzigen um diese Zeit immer zur Verfügung stehenden Schnittblumen.

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Seit 1910 kämpften Clara Zetkin und ihre Mitstreiterinen um die Einführung eines international anerkannten Ehrentages für alle Frauen.
Hintergrund waren die Forderungen zur Erlangung des Wahlrechts für Frauen.
Als am 8. März 1917 in Sankt Petersburg die Arbeiter- und Soldatenfrauen, zum ersten Mal gemeinsam mit den Bauernfrauen der armen Stadtviertel, streikten und damit die Februarrevolution ( Februar wegen des russischen Kalenders ) auslösten, war das passende Datum gefunden.
Der 20. März mit seiner Tagundnachtgleiche ist dann der offizielle Frühlingsanfang.
Nun kann das Sammeln von Heilkräutern beginnen.
Ich suche mir die ersten Fichtenspitzen.
Diese ergeben einen wohlschmeckenden Tee, der zudem noch gegen Husten, Asthma und sogar Lungenentzündung hilft.
Dazu werden die frischen Spitzen überbrüht.
Der hohe Vitamin C Gehalt der Fichtenspitzen vertreibt zudem jegliche Frühjahrsmüdigkeit.
Köstlich schmeckt auch ein selbstgemachter Likör aus ihnen.
Gesammelt werden sollte im eigenen Garten oder bei Freunden und dort nur sparsam im unteren Bereich des Baumes, um ihm nicht zu schaden.
Plant man von Fichten im Wald zu sammeln, muss unbedingt der Förster um Erlaubnis gebeten werden, Waldfrevel ist zu Recht strafbar.

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Im März fängt der Frühling im Kleinen an und bald schon zieht er mit seinem leuchtenden Grün uns alle in seinen Bann.
Und nicht vergessen:
Märzenstaub und Märzenwind guten Sommers Vorboten sind.

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Chemnitz deine Häuser – Der Theaterplatz

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Was hier rotgolden von der Morgensonne angestrahlt wird ist das Denkmalensemble am Theaterplatz.
Es umfasst das Chemnitzer Opernhaus,  das König- Albert-Museum, die Petrikirche und das Hotel Chemnitzer Hof und ist eine der architektonischen Kostbarkeiten von Chemnitz und eine der wenigen Stellen, die ich in sich geschlossen als schön empfinde.
Vor dem 19.Jahrhundert war der Theaterplatz ein Kuhanger. Mit dem neuen Jahrhundert begann seine Bebauung, die den zentralen Platz frei liess, so das auf ihm Vieh-und Jahrmärkte abgehalten werden konnten.
Mitte des 19.Jahrhunderts wurde dort eine Parkanlage angesiedelt, gefördert durch den Bau der Villen an der nahe gelegenen Königsstraße, der heutigen Straße der Nationen.
Der Platz erhielt den Namen Königsplatz, dieser Name wurde nach der Novemberrevolution von 1918 in Theaterplatz geändert und dieser Name blieb auch erhalten, als aus dem Theater ein Opernhaus wurde.
Das Chemnitzer Opernhaus wurde in den Jahren 1906 – 1909 errichtet.
Der Architekt Richard Möbius war Baubeamter in Chemnitz und prägte das kommunale Bauwesen.
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Zu seinen architektonischen Kindern gehören auch das König-Albert-Museum, 1909 erbaut – das Neue Rathaus – erbaut 1911 – und auch das Küchwaldkrankenhaus, in dem ich lernte, entstand 1915 unter seiner Leitung.
Das Chemnitzer Opernhaus wurde im 2.Weltkrieg stark beschädigt und in den Nachkriegsjahren 1947-1951 wieder aufgebaut.
1988 – 1992 erfolgte durch die Architekten Gunter Hauptmann, Jochen Krüger und Karl-Heinz Barth eine Sanierung, die das Opernhaus zu einem der modernsten in Sachsen machte.
Es bietet 714 Zuschauern Raum und verfügt über 6 speziell für Rollstuhlfahrer geeignete Plätze.
Auf dem Spielplan stehen von der Oper über die Operette bis zum Musical alle bekannten Stücke, doch ist die Chemnitzer Oper vor allem dafür bekannt, weniger gespielten Werken eine Chance zu geben.
Beliebt ist auch das Sonntags um 11.00 Uhr stattfindende Ballet au lait im Operncafé.
Direkt daneben liegt das König-Albert-Museum.
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Dieses Haus ist eines der bedeutendsten historischen Bauwerke in Sachsen. 
Es wurde zu Ehren König Alberts und seiner Gemahlin Königin Carola errichtet.
Die wettinische Königin Carola, gebürtig aus dem Hause Wasa, blieb kinderlos, vielleicht rührte daher ihr hohes soziales Engagement,  das ihr bis heute einen Platz im Herzen der Chemnitzer sichert, nach ihr ist immer noch mancher Platz und manche Straße benannt.
Auch beim Museumsgebäude war Richard Möbius der Architekt.
Das Museum wurde 1909 eröffnet.
Zu DDR-Zeiten stand vor ihm der „Steinerne Wald“ – eine Sammlung fossiler Bäume – die sich nun, sicher vor Umwelteinflüssen,  im „dasTIETZ“ befindet.
Beim Bau wurde auf einheimische Rohstoffe zurück gegriffen und so besteht das Gebäude zum großem Teil aus dem hier heimischen „Roten Granit von Mittweida“.
Wie das Opernhaus und die Petrikirche wurde auch das König-Albert-Museum im 2. Weltkrieg stark beschädigt und befand sich nach der Wende in einem desolaten Zustand.
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In den Jahren 1991/1992 wurde es grundlegend saniert.
Dabei wurde auch das kupferbedeckte Ziertürmchen wieder aufgebaut.
Gegenüberliegend ist das Gebäude der IHK, aus dem ich diese Aufnahme von ihm gemacht habe.
Im König-Albert-Museum befindet sich heute das „Museum am Theaterplatz“,  das ein kunsthistorisches Museum ist.
Es beherbergt ca. 60.000 Teile der Kunstsammlungen Chemnitz.
Darunter befindet sich die zweitgrößte Sammlung der Werke von Schmidt-Rottluff und eine Sammlung deutscher Impressionisten,  darunter z.B. Liebermann, Corinth und Slevogt.
Ich bin noch im Besitz zweier Eintrittskarten und muss das Museum demnächst wieder einmal besuchen.
Die gerade beendete Warhol- Ausstellung hat mich nicht sonderlich gelockt, dafür aber zahlreiche andere Besucher.
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Hinter dem Museumsgebäude sind Umrisse der Petrikirche zu erkennen.
Sie ist das dritte Gebäude auf das ich hier etwas näher eingehen möchte.
Das Hotel „Chemnitzer Hof“ als Vierter im Bunde, liegt direkt neben ihr und mit Glück kann man von seinem Hotelzimmer aus genau auf die Kirche blicken.
In DDR-Zeiten zu den Interhotels gehörig, wird es nun von der Günnewig Gruppe geführt.
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Es bietet ein kleines Restaurant und zentrale Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Bahnhofsnähe und zählt zu den besseren Adressen der Stadt.
In seinem Erdgeschoss sind kleine, feine Ladengeschäfte zu finden, die exklusive Schneiderarbeiten,  Goldschmiedernes und erlesenen Tabak sowie edle Spirituosen anbieten.
Die Petrikirche gleich daneben ist ein evangelischer Kirchbau.
1885-1888 nach Entwürfen des Leipziger Architekten Hans Eger gebaut, ist sie das älteste der vier Gebäude.
Die Petrikirche ist eine neugotische Hallenkirche und aus Sand-und Backsteinen erbaut.
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Ihre jetzigen Turmglocken kommen aus der im Krieg zerstörten Lukaskirche.
Die Originalglocken stammten aus der Leipziger Glockengieserei G.A.Jauck.
Im Inneren befindet sich eine wundervolle Orgel der Orgelbaufirma Friedrich Ladegast aus Weißenfels, die am 18.10.1888 feierlich geweiht wurde.
2007 wurde die Orgel, die 20 Jahre lang nicht bespielt werden konnte,  restauriert.
Finanziert wurde dies durch eine Spendenaktion mit dem Namen „Eine Königin für Chemnitz“.
Am 19.10.2008 zum 120.Kirchweihjubiläum erklang sie zum ersten Mal nach langen Jahren wieder.
Der vor den vier Gebäuden befindliche Theaterplatz wird im Sommer mit dekorativen Zelten bebaut.
Dort kann man in lauen Sommernächten Konzerten folgen oder in den Chemnitzer Filmnächten Freiluftkino in schönster Kulisse genießen.
Parkmöglichkeiten finden sich in der unter dem Platz gut angelegten Tiefgarage, die über einen Fahrstuhl direkt vorm Theaterplatz gut zu erreichen ist.
Das denkmalgeschützte Ensemble am Theaterplatz ist eine der schönsten Stellen in Chemnitz, die Kultur leben und erleben lässt.
Chemnitz,  deine Häuser!
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Streng geheim…

Warst du schon…
einsam, verlassen, allein?

Wusstest du nicht …
mit wem, wohin, warum?

Schau zu denen, die fast nichts haben
und um’s Überleben kämpfen
und dennoch mit einem Lächeln den Tag begrüßen,  weil sie nicht verhungert sind.

Lerne Dankbarkeit,  lerne Freude.
Lerne zu leben.

Kinder setzt die Mützen auf..,

…der Märzwind hat es in sich.
Sagte die Mutter meiner Schulfreundin zu uns, wenn wir als Kinder im März mit offenen Jacken und heruntergerissen Mützen dem Winter die blasse Schulter zeigten.
Sonne auf der Haut…danach stand uns der Sinn nach dem langen Winter.
Daran hat sich bis heute nichts geändert und so schlendere ich am letzten Freitag des Monats Februar, im Frühlingstaumel und wie eine Biene von den Sonnenstrahlen angetrieben, auf dem Heimweg zum Bus höchst vergnügt meinem Eisbüdchen entgegen.
Hat es in den Wintermonaten sein Straßenfenster geschlossen und man muss hinein in’s Café, sind nun die Glasscheiben offen wie die Herzen der Verliebten und ich kann mir mein kleines Tütchen Glück direkt holen.
Meine Augen strahlen,  die Zunge ahnt den vermissten süß – fruchtigen Geschmack des Erdbeereis, denn kein anderes als mein allerliebstes Lieblingseis kommt in die erste Waffel.
Marzipan-Mohn, Schokoeis mit Weinbrand und Kirschen?
I wo, das ist Wintergeschlabber, im Café gekauft, nicht durch’s Fenster gereicht und aktuell völlig uninteressant.
Ja, denkste. Bei denen ist noch Winter.
Kein Erdbeereis ist in der Auslage zu finden. Kurz verlässt mich die Fröhlichkeit, doch dann entdecke ich Griesbreieis mit Himbeersoße, wirklich und wahrhaftig.

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Meine Freude darüber muss mir anzusehen sein, mit dem freundlichsten Lächeln bekomme ich eine besonders große Portion gereicht.
Die Jacke geöffnet, die Batschkapp vom Kopf gerissen, der Schal weht im Wind… die Sonne im Rücken der dunklen Winterjacke gleicht einem Frühlingswunder.
Winterdepression? Frühjahrsmüdigkeit? Was soll das sein?

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Das Lieblingsessen in Eisform auf den Lippen sprudelt es aus mir heraus. ..“nun will der Lenz uns grüßen, von Mittag weht’s schon lau, aus allen Ecken sprießen die Blumen rot und blau…“.
Nur zustimmende Blicke finde ich bei denen, den mein leises Gesumme auffällt und dann streben sie der Eisbude zu.

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Mit meinem Eis suche ich mir in der nahen Grünanlage ein sonniges Plätzchen.
Gleich neben mir sitzt eine Gruppe knapp 16jähriger, einer davon schon in kurzen Hosen, in der Mitte ein Mädchen mit Haaren in der Farbe meiner Himbeersoße. Sie holen ihr erstes Bier heraus, hören laut Musik und aalen sich in den warmen Sonnenstrahlen wie Katzen, das Mädchen bewundert die neben ihr wachsenden, leuchtend gelben Winterlinge.
10 Schritte weiter hat das erste Straßencafé geöffnet, noch in knallfarbene Winterjacken gehüllt sitzen dort Paare und bestellen sich genauso ein Frühlingsbier im ersten Sonnenschein.
Neben ihnen stehen mehrere Blumenkübel mit noch nicht entfernten welken Blumen vom Vorjahr.
Sie starren zu den im Grünen sitzenden Jugendlichen herüber.
Mit den Beinen baumelnd überlege ich, ob ich nicht die Frühjahrsschuhe hervorhole.

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Auf in den Frühling und hütet euch vor den Märzwinden.