Monatsarchiv: Januar 2015

Chemnitz deine Häuser…Die “ Parteisäge “ mit davor befindlichen “ Nischel „

…oder das Karl – Marx – Monument mit dahinter liegenden Amtsgebäude.

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7,10 m hoch und ca. 40 Tonnen schwer ist die Plastik aus Bronze, die den Kopf von Karl Marx stilisiert darstellt.
Sie und ihr Umfeld stehen unter Denkmalschutz.
Finden könnt ihr beides in der Brückenstraße , nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen.
Das Karl – Marx – Monument ist die zweitgrößte Porträtbüste der Welt.
Dahinter liegt das Gebäude des ehemaligen Rates des Bezirkes, das ab 1980 Domizil der SED – Bezirksleitung war.
Ein Teil seiner Außenfläche setzt das Kunstwerk der Plastik fort, indem eine Außenwand den Schriftzug “ Proletarier aller Länder vereinigt euch “  – ein Zitat aus dem Kommunistischen Manifest – trägt.
In 4 Sprachen, deutsch, russisch, englisch und französisch, ist es zu lesen.
Geschaffen wurde es von einem Künstlerkollektiv aus Aue um den Grafiker Helmut Humann herum.
Die Plastik heißt im Volksmund Nischel, das ist das sächsische Wort für Schädel oder Kopf.
Die davor befindliche Straße nannte man demzufolge Nischelgasse.
Der Begriff “ Parteisäge “ für den Gebäudekomplex setzt sich zusammen aus seiner Form und seinen Nutzungszweck als Parteigebäude.

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Sägezahnartig fortgeführt erstreckt sich das Gebäude über die gesamte Straßenfront, in einer für den Baustil der DDR typischen Architektur.
In ihm befinden sich auch heute staatliche Ämter und Institutionen.
Im Erdgeschoss befanden und befinden sich Ladengeschäfte.
Zu DDR Zeiten war unter anderem eine gut sortierte Bücherei dort beherbergt. Bücher waren preiswert und gut, vielfältig und begehrt.
Von den nach der Wende dort eingezogenen Läden existieren die wenigsten noch. Der Großteil steht leer.
Vorm Nischel treffen sich Skater und sausen über die glatte Oberfläche des Sockels und in den späteren Abendstunden kommen die, welche nicht gern zu Hause sind und trinken sich das Leben leichter.

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Chemnitz wurde am 10.5.1953 in Karl
– Marx – Stadt umbenannt.
Das war der Auslöser für den Auftrag zur Schaffung eines Karl Marx Denkmals.
Von verschiedenen Vorschlägen setzte sich die Variante des Kopfes,  geschaffen vom Bildhauer Lew Kertel,  durch.
Sie wurde in der Leningrader Kunstgießerei Monument Skulptura in Bronze gegossen und für den Transport in 95 Einzelteile zerlegt.
Das Zusammenschweißen vor Ort sollte ursprünglich durch sowjetische Firmen erfolgen, jedoch fand sich keine, die dazu in der Lage war.
Der VEB Germania übernahm und setzte das Monument wieder zusammen.
Das Denkmal steht auf zwei Sockeln aus Korninskij – Granit.
Am 9.10.1971 wurde es vor 250.000 Menschen feierlich eingeweiht. Zu den Gästen zählte auch ein Nachfahre von Karl Marx.
Es war der Startschuss für eine Umgestaltung der Stadt in eine sozialistische Großstadt.
Die Gründung kasernenartiger Wohnsilos, den Plattenbauten der Neubaugebiete, folgte auf dem Fuße.
Billiger Wohnraum in uniformierten Blocks für die arbeitende Bevölkerung.
Vermeintlicher Luxus der gleichmachenden Einheit mit Fernwärme und fließend warm Wasser auf so wenig Raum wie möglich,  wie in “ Utopia “ von Thomas Morus.
Zurück zum Nischel.
Nach der Wende gab es Spekulationen über einen Verkauf der Plastik und auch Interessenten dafür.
Die Bürger und die Stadt hängen aber an ihrer Vergangenheit, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, und legten ein Veto ein.
Auch die Anfertigung einer Kopie wurde abgelehnt.
Im Zuge einer Ausstellung war der Nischel in der Zeit vom 17.Juni 2008 bis zum 31. August 2008 über ein Gerüst begehbar gemacht. Die Daten sind absichtlich gewählt, in Erinnerung an geschichtliche Ereignisse ( 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR – und 31. August 1990 – Unterzeichnung des Einigungsvertrages- ), ob sie gut gewählt waren lasse ich im Raum stehen.
Ende 2011 begann eine umfangreiche Sanierung des Monumentes, die am 4.4. 2012 beendet wurde und ab 2012 wurde die Parteisäge saniert.
Im vergangenen Jahr noch war der Schriftzug durch Gerüste verstellt, zeigt sich seit 2015 jedoch wieder im alten, aufpolierten Glanz.
Die “ Schädelstätte “ ist zum nicht weg zu denkendem Teil von Chemnitz geworden.
Den Ausspruch “ Proletarier aller Länder vereinigt euch “ halte ich für bedeutsamer denn je.
Chemnitz. ..deine Häuser!

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Wer bin ich…

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Arabella, die Märchenbraut… gelegentlich schlüpfe ich gerne in ihre Haut und träume und lebe fast ausschließlich von und in den schönen Seiten des Lebens.
Erholung von den Anstrengungen des Tages suche und finde ich darin.
Oder bin ich die Frühlingsblume, als die mich der Gärtnergatte liebevoll bezeichnet? Manchmal muss ich schmunzeln, wenn er mich freundlichst und im schönen Sächsisch mei Udchen ( meine Ute ) ruft.
Maiutchen sind äußerst seltene Gewächse.
Den Mädchennamen meiner Kinder- und Jugendzeit mit der Hochzeit abzulegen fiel mir leicht.
Ich wurde sowieso mit dem Vornamen angesprochen.  Erst aus Altersgründen, dann wegen meines Berufes. Krankenschwestern werden noch immer mit Schwester angesprochen und der Vorname wird angefügt.
Als ich nach vielen Jahren den Beruf aus gesundheitlichen Gründen wechseln musste, reagierte ich auf die Ansprache Frau S. zögerlich.
Mit dem Nachnamen angesprochen zu werden war ich einfach nicht gewohnt.

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Wer bin ich nun also?
Maiutchen, Frau S., Arabella?
Die Mischung aller ergibt die eine Persönlichkeit, die mich ausmacht.
Die da ist, wenn sie gebraucht wird, bestrebt ist von keinem mehr zu verlangen, als er geben kann und das hinnimmt.
Jemand der gehen lassen gelernt hat, jeden und überall hin, so traurig das auch macht.
Eine, die manchmal unnahbar wirkt, ohne es zu sein.
Die lange Zeit gebraucht hat dahin zu kommen, wo sie jetzt ist.
Die Fehler gemacht hat. Lässliche und auch schwer wiegendere Fehler.
Und die weiter Fehler machen wird, kleinere, so hoffe ich.
Ein Mensch, der Werte hat, die jenseits materiellen Wohlstands liegen.
Eine Mutter und Großmutter, die in der Nähe der Familie Wärme und Geborgenheit gefunden hat und diese weitergeben möchte.
Eine manchmal streitbare Person,  jedoch nicht mehr auf der Suche nach allgemein gültiger Wahrheit.
Eine Glaubende, eine Hoffende, keine Wissende.
Und manchmal, in sehr ruhigen Minuten am oder im Wasser – auch gern allein – eine in sich ruhende, zufriedene Frau.

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Auf ein Neues

Wenige Tage nach dem Start meines neuen Bloges haben sich schon über 100 Bloggerfreunde eingefunden.
Meinen herzlichen Dank an alle die hier lesen und kommentieren.
Es ist mir eine Freude, die ich nicht mehr missen möchte.
Gern würde ich mich bei jedem persönlich bedanken, das ist leider nicht möglich.
Einem Teil derer, die mir besonders am Herzen liegen, möchte ich in den nächsten Tagen meinen Hex-hex Tee als Neujahrsgruß schicken. Und wer diesmal keinen bekommt, muss kein bissel traurig sein. Die nächste Gartensaison mit neuem Tee für andere Freunde kommt in Bälde.
Kurz nach Weihnachten sieht es bei mir schon wieder aus wie in der Heinzelmannwerkstatt.

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Im Tee enthalten sind Schokominze,  Zitronenenmelisse und Ringelblumenblüten zu gleichen Teilen.
Die leichte Wirkung gegen Kopfschmerzen wird verstärkt durch Lavendelblüten, Rosmarinnadeln und Rosenblättern, die in geringerer Menge dazukommen. Aber erstmal muss das alles, bis jetzt in verschiedenen Abpackungen befindlich, miteinander vermischt werden.

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Also kommt alles in eine große Schüssel und ich vermische die unterschiedlichen Zutaten. Dabei verbreitet sich ein würziger Duft, der mich zum Kosten verleitet. Ich fülle mir also einen Teebeutel und versuche meinen Hex-hex Tee.
Mit dem Geschmack bin ich zufrieden. Eine Ziehzeit von mindestens 5 Minuten sollte den Kräutern vergönnt werden.

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Die Zusammenstellung hat auch eine angenehme Optik. Ich kann mir das Ganze auch gut mit Kornblumenblüten vorstellen, die auch hilfreich gegen Kopfschmerzen sind und mit ihrer schönen blauen Farbe ebenfalls eine gute Optik bieten. Beim nächsten Mal.
Von dem Rosmarin und den Rosen habe ich vorm Trocknen ein Foto gemacht, das ich jetzt als Anhänger verwende.

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Ein Glück,  dass ich meine Tasse Tee habe, nicht dass ich noch Kopfschmerzen bekomme. Ausschneiden, lochen, Band durchfädeln…Tee in Beutelchen füllen
verschließen, mit Bändchen und Anhänger versehen… und das x Mal. Meine Freude daran ist groß, ich hoffe, dass ich sie weitergeben kann.

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Nach und nach vollendet sich mein Werk und will nun noch in Umschläge  verpackt  werden,  die selbstredend auch noch beschriftet werden müssen.
Ein Glück, dass ich meinen Gärtnergatten habe. Ich drücke die Luft aus den Beutelchen und packe ein, der Gärtnergatte sorgt dafür, dass die Umschläge auch sicher verschlossen sind und klebt sie fachmännisch zu.
Ein, zwei, drei…viele Umschläge sind so an einem gemütlichen Nachmittag gemeinsam gefüllt und verpackt und gehen nun auf die Reise in die weite Welt.
Mit meinen besten Grüßen.
Auf ein Neues.
Dankeschön an euch alle.

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Das Schöne vom Tag

Donnerwetter

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Vom Wert der Familie oder 80.Geburtstag

Familie kommt vom lateinischen familia und bedeutet ursprünglich  Hausgemeinschaft.
Eine Verbindung durch Partnerschaft, Heirat, Adoption oder Abstammung mit dem Ziel der Lebensgemeinschaft ist sie im weitesten Sinne.
Oder noch einfacher: Familie ist eine engere Verwandschaftsgruppe.
Ursprünglich bezeichnete der lateinische Begriff familia (die Hausgemeinschaft) den Besitz eines Mannes, des pater familias.
Dazu gehörten Frau und Kinder ebenso wie Sklaven und Gesinde.
Familia und Pater waren Herrschaftsbezeichnungen.
Die Familie steht inzwischen für das Zusammenleben von mindestens zwei Generationen und fusst auf der biologischen Basis von Gebär – und Zeugungsfähigkeit.
Die Reproduktionsfähigkeit dient der Sicherung der Generationsfolge durch Weitergabe des Lebens.
Sie bietet ein erstes, dichtes Netzwerk und ist sozialer Raum für Wachstum, Entwicklung und Geborgenheit.
In dieser Funktion entscheidet sie über das Handlungspotential der nachfolgenden Generationen.
Ihre wirtschaftliche Funktion bietet auch materiellen Schutz.
Die Familie schützt, kleidet, ernährt und beherbergt.
Für in ihr geborene Kinder erbringt sie eine legitime Plazierung in der jeweiligen Gesellschaft und hat damit auch eine politische Funktion.
Ihre psychologisch-emotionale Funktion erfüllt sie mit der Schaffung von Identität und Selbstbild.
Die Familie ist eine dauerhafte soziale Beziehung.

Dies ist ja nun alles sehr trocken und doch ist genau das der Ursprung  und die Grundlage meiner Zufriedenheit.
In unserem westlichen Kulturkreis bestehen oft nur noch Kernfamilien , zusammengesetzt aus Eltern oder auch nur ein Elternteil, mit Kind(ern) oder sogar nur aus Paaren, also aus zwei Partnern, gleich welchen Geschlechts, die ihr Leben miteinander teilen.
Die Zeit der Großfamilien, die zusammen mit einer Schar von Gesinde gemeinsam in einem „Ganzem Haus“ leben ist abgelaufen.
(Das „Ganze Haus“ beherbergte Großeltern, Eltern, Kinder, Mündel, unverheiratete Verwandte und Gesinde.)
Mir ist wichtig, dass ein enger familiärer Kontakt zwischen meinen einzelnen Kleinfamilien besteht. Dass gegenseitige Hilfe und Unterstützung so selbstverständlich ist, wie fröhlich miteinander verbrachte Freizeit.
Unsere Gartennachmittage im Sommer und die winterlichen Kochfeste bieten die Gelegenheit in entspannten Momenten die Zusammengehörigkeit zu festigen und sind die Grundlage für einen engen Zusammenhalt in schwierigeren Zeiten.
Spaß zu haben, miteinander zu lachen, gemeinsam zu essen und Erinnerungen an vergangene Zeiten aufleben zu lassen, den Jubilar zu ehren ist der Sinn von Geburtstagsfeiern im familiären Rahmen.
Wenn nach 80 Lebensjahren einige Stühle leer bleiben, ist die Freude über jeden besetzten eine um so größere.
Wenn die Ältesten mit den Jüngsten vergnügte Stunden haben, öffnen sich die Herzen.

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Verwandte und Freunde, die ein ganzes Leben miteinander verbrachten, haben Grund dies bei Leckereien zu feiern.
Wer nach den Höhen und Tiefen die das Leben mit sich bringt, sagen kann, wir halten zueinander, darf einen Tag lang sorglos schlemmen.

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Kann sich Lieder zu seinen Ehren singen lassen und sich mit liebevoll ausgedachten Ständchen die verdiente Hochachtung entgegen bringen lassen.

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Den Zusammenhalt einer Großfamilie, die eine Regenbogenfamilie ist – denn hier fehlen Partner, andere haben sich neu gefunden – zu erleben, ist mir allein schon Grund zum feiern.
Und so verbinde ich mich mit meiner 2. Generation und bin froh und stolz Teil dieses funktionierendem Ganzen zu sein.

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Darauf und auf das Geburtstagskind ein dreifaches :
Hoch, Hoch, Hoch.

Rump(el)steak(chen) oder heute back ich, morgen brau ich…

übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind.
Ach wie gut, dass niemand weiß,  dass ich Rumpelstilzchen heiß.
Um’s Feuer tanzend singt der Zwerg sein Lied.
Feuer habe ich auch.

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Erstaunt bin ich darüber was er alles kann.
Nein, nein, nicht nur Stroh zu Gold spinnen, sondern eben auch kochen und brauen.
Ein Glück, dass ich einen Gärtnergatten habe, das erspart mir die Notwendigkeit von Geisterhilfe.
Mein Gärtnergatte brät heute.
Und zwar Entrecôte. 

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Er sagt, das ist ganz einfach.
An Steak traue ich mich nicht ran, es ist mir zu fleischig, ich esse es auch nur selten.
Und ich esse es nur durchgebraten.
Zum Anbraten muss das Butterschmalz in der Pfanne stark erhitzt werden.
Die Steaks von beiden Seiten kurz und kräftig anbraten.

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Das Fleisch aus der Pfanne nehmen und erst jetzt von beiden Seiten mit Pfeffer und Salz würzen.
Hier ist beste Qualität von beidem – Fleisch und Gewürz –  Garantie für Geschmack.
Dann das Fleisch für 10 Minuten in den auf 180 Grad vorgeheizten Backofen geben und bei Umluft fertig gar ziehen lassen.

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In der Zwischenzeit überlegen wir, wie es im Märchen zur Notlage der schönen Müllerstochter kam.
Richtig.
Ihr Vater hatte den Mund zu voll genommenen und behauptet, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen.
Armut durch Schönheit zu überdecken, ist wohl der Grund dafür.
Der Ursprung könnte sein, nur die ärmsten Mädchen nahmen früher die anstrengende Arbeit des Golddraht ziehen auf sich.
Darüber sinnierend kommen wir auf’s brauen, Bier mögen wir nicht, wir gönnen uns was prickelndes.

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Die Steaks sind gar gezogen.
Das Fleisch sollte noch 5 Minuten ruhen, deswegen packt es der Gärtnergatte in Alufolie.

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So kann der Geschmack sich am Besten entfalten.
Also noch etwas Zeit für’s Märchen.
Nachdem Ring und Kette verschenkt sind, verspricht die Jungfer in der 3. Nacht ihr erstes Kind dem Zwerge zu überlassen, wenn er ihr noch einmal Stroh zu Gold spinnt, die Bedingung dafür, dass der König sie heiratet.
Nun wird alles gut. Vorerst.
Hochzeit, Kind und dann die Erinnerung an das Versprechen.
Der Zwerg gibt eine letzte Möglichkeit,  wenn sein Name erraten wird, ist der Schwur hinfällig.
Wieso tut er das, wenn er wahrhaftig böse ist, frage ich mich und komme in’s grübeln.
Ein Glück, inzwischen ist das Essen angerichtet.

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Und es schmeckt ausgezeichnet.
Das Fleisch ist zart, saftig, durchgegart und dezent gewürzt.
Ein Genuß, der auch für das Festessen getaugt hätte, das sicher stattgefunden hat, als der Name des Zwerges doch erraten wurde.
Als der Zwerg beim Namen genannt wird, stampft er wütend auf und spricht:“ das hat dir der Teufel gesagt“.
Da er selber den Namen beim Tanz um’s Feuer sagte, ist er also der Teufel.
Ring und Kette fallen neben ihm zu Boden und das Kind kann bei seiner Mutter bleiben.
Ich habe es von Anfang an besser.
Mein Gärtnergatte kocht für mich, Stroh zu Gold spinnen wollen wir nicht und so kann ich meine Kette behalten und satt und zufrieden bin ich auch.
Märchenhaft.

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Wer nachlesen möchte, über dem Artikel findet sich ein Link zum Märchen Rumpelstilzchen aus den Sammlungen der Gebrüder Grimm.

Maria

Berthold Brecht

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Die Nacht ihrer ersten Geburt war
Kalt gewesen. In späteren Jahren aber
Vergaß sie gänzlich
Den Frost in den Kummerbalken und Rauchenden Ofen.
Und das Würgen der Nachgeburt gegen Morgen zu.
Aber vor allem vergaß sie die bittere Scham
Nicht allein zu sein
Die den Armen eigen ist.
Hauptsächlich deshalb
Ward es in den späteren Jahren zum Fest,
Bei dem alles dabei war.
Das rohe Geschwätz der Hirten verstummte.
Später wurden aus ihnen Könige in der Geschichte.
Der Wind, der sehr kalt war
Wurde zum Engelsgesang.
Ja, von dem Loch im Dach, das den Frost Einließ, blieb nur
Der Stern, der hinein sah.
Alles dies
Kam vom Gesicht ihres Sohnes,
Der leicht war
Gesang liebte
Arme zu sich lud
Und die Gewohnheit hatte,
Unter Königen zu leben
Und einen Stern über sich zu sehen zur Nachtzeit.

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Allen die heute Feiertag haben, wünsche ich einen schönen Tag, all den Anderen drei Geschenke.

Direkt aus dem Paradies

…kommt er – der Granatapfel

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Eine der schönsten Früchte für mich.
Herrlich im Geschmack sind seine aromatischen, scharlachroten Kerne.
Saft daraus – Grenadine – zeichnet sich durch seinen unnachahmlichen fruchtigen, süß – säuerlichen Geschmack aus. Und seiner leuchtenden Farbe wegen.
Wild – und Geflügelgerichten gibt er eine besondere Note.
Köstlich ist er auch in Obstsalaten.
Meine liebste Variante – im noch leicht warmen Vanillepudding.
Hach.
Es ist auch nicht schwer an die Kerne heranzukommen.
Am Blütenansatz einfach ein Rechteck in die Frucht schneiden.

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Dann die Haut, wie bei einer Apfelsine, so dünn wie möglich einschneiden.
Der Blütenansatz lässt sich jetzt ganz leicht ausbrechen.

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Schon schimmern die leckeren Kernchen hervor.
Durch das vorherige Teilen der Schale lässt sich der Granatapfel ganz leicht aufbrechen.

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Die bittere weiße Haut ist gut zu entfernen und die Kernchen purzeln direkt heraus.

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Die Schalen des Granatapfels wurden als Farbstoffe bei der Herstellung von Orientteppichen verwendet.
Ein Extrakt aus den Wurzeln des Granatapfelbaumes erzeugt mit Hilfe von Eisenbeize tief dunkelblaue Farbtöne.
Die Heimat der Frucht, die reich an Vitaminen C, Calcium und Eisen ist, liegt in West – bis Mittelasien.
Heute findet man Granatapfelbäume im gesamten Mittelmeerraum.
Medizinisch hat der Granatapfel kaum noch Bedeutung. Früher benutzte man Wurzel, Rinde und die gekochte Schale als Mittel zur Bekämpfung des Bandwurms.

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Der Granatapfel findet sich in allen geschichtlichen Zeiträumen und Religionen wieder.
Er ist das Symbol der syrischen Göttin Atargatis.
Im antiken Griechenland entführte Hades, der Gott der Unterwelt, Persephone in sein Reich. Sie wollte lieber zu ihrer Mutter Demeter zurück. Zeus entschied, sie könne gehen, wenn sie in der Unterwelt keinerlei Speisen zu sich genommen habe.
Hades drückte ihr im letzten Moment 6 Granatapfelkerne in den Mund.
Hatte sie nun etwas zu sich genommen oder nicht? Zeus entschied, dass sie 1/3 des Jahres in der Unterwelt verweilen musste und 2/3 bei ihrer Mutter Demeter bleiben konnte.
Ein Granatapfel war auch der Auslöser des trojanischen Krieges.
Ihn sollte der Königssohn Paris der Schönsten überreichen.
Hera, Athene und Aphrodite standen zur Auswahl und versuchten ihn mit ihren Gaben zu bestechen.
Aphrodite versprach dem Jüngling die schönste Frau der Welt – Helena – zur Frau. Das diese schon verheiratet war, störte sie dabei wenig.
Der Anfang vom Ende war gemacht.
„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.“
Dieses der 10 Gebote kam erst viel später.
In der Bibel wird der Granatapfel erwähnt, im Hohelied König Salomons wird mit seiner Hilfe Frauenschönheit beschrieben.
Auch im Koran stößt man auf die Frucht.
Sie ist Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für Macht, Blut und Tod.
Der königliche Reichsapfel, Zeichen höchster Macht, ist dem Granatapfel nachempfunden.
Der Orden der Barmherzigen Brüder trägt als Wappen einen Granatapfel mit Kreuz.
In der katholischen Kirche steht die Frucht für Jesus.
Der Name Granatapfel stand Pate bei der Granate – wegen der Form –  und gab dem Schmuckstein Granat – wegen der Farbe –  seinen Namen.
Sein lateinischer Name Punica granatum setzt sich zusammen aus dem lateinischen punic(e)us, „punisch“,
das auf die römische Bezeichnung für Phönitzier zurück geht
und granatum vom lateinischen granum für Korn, Samen,Kern.

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Mir schmecken die schönen, saftigen Kernchen sehr gut, sie sind gleichzeitig wichtiger Vitaminlieferant in dieser rauhen Jahreszeit.

Heimatstadt

Manchmal muss ich sie wieder gehen.
Die Wege der Kindertage.
Anders als nur in Gedanken.
Den alten Schulweg entlang, der über Jahre zum Alltag gehörte.
Am Schreibwarenladen vorbei.
Als ich dort meine Schreibhefte kaufte, kostete ein Heft ungefähr einen Groschen.
Was ein Groschen ist? Ein Geldstück das dem Wert von 10 Pfennigen entspricht. 10 Groschen ergaben eine Mark.
Im Laden war eine große, dunkle Holztheke, wie der ganze Raum im Halbdunkel lag. Die dahinter liegenden Regale waren gefüllt mit allen möglichen und unmöglichen Dingen.
Niespulver zum Beispiel. Eine Zeitlang war man völlig out,  wenn man nicht im Besitz der kleinen, weißen Plastikdose war.
Wozu wir es brauchten, ich weiß nicht mehr, zum Albern sein.
Und out war auch niemand, das Wort gab es gar nicht in unserem Sprachgebrauch.
In der Mitte der Regale im Schreibwarenladen, der diese und noch viele andere Schätze führte – meine Alice Bücher hatte mir mein Stiefvater auch dort gekauft – war eine Tür.
Wie aus dem Nichts erschien durch sie die Inhaberin, wenn man in den Laden trat, es muss ihr Wohnzimmer gewesen sein.
Wer wohnt heute noch in seinem Laden?
Noch ein paar Schritte weiter, der Süßwarenladen.
Mein Freitagsziel. Ich bekam Freitags eine ganze Mark und habe sie sofort umgesetzt.
Noch heute weiß ich, wie es in dem Laden roch. Nach Zucker und reifen Äpfeln.
Obwohl es kein Obst gab – oder doch, ich erinnere mich nur noch an die Süßigkeiten genau – aber auch hier verschwand die Inhaberin hinter einem Vorhang, der, wie ich vermute, ihr Wohnzimmer oder ihren Pausenraum verbarg. Manchmal musste ich ein wenig warten, bis sie kam. Dann war ich allein mit den Schätzen. Wundervoll!
In großen Gläsern gab es kleine Karamellen in Fischform, die liebte ich sehr. Mit einer kleinen, silberhellen Schippe wurden sie in eine am unteren Ende spitz zulaufende Papiertüte gefüllt. Was für ein herrliches Geräusch!
Später gab es in bunten Papiertüten Bleistifte aus Zucker.
Vorrätig waren immer Teddybären in gelb, rosa und grün aus Schaumzucker, 10 Pfennige ( einen Groschen also ) das Stück.
Ziehpfatsche nannten wir sie, weil man sie lang ziehen konnte, wenn man sie im Mund hatte und mit den Zähnen den Kopf fest hielt, dem Geschmack tat das keinen Abbruch.
Manchmal kaufte ich auch eine Rolle Drops mit Anisgeschmack. Ob es die noch gibt?
Oder Pfefferminzstangen, eine Seite weiß, eine Seite rosa?
Köstlich.
Hinter der weiß gestrichenen Theke sehe ich die grauen Löckchen der Inhaberin hervor leuchten.
Klein wie ich war,  erschien sie mir sehr groß.
Sie hatte mich und meine beschleiften Zöpfe sehr in’s Herz geschlossen.
Auf Anfrage konnte ich alle Märchen meiner Schallplatten wortgetreu und mit verstellter Stimme wiedergeben.
Glückliche Tage waren das.
Hier in der kleinen Gasse meiner alten Heimatstadt.

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